Aufbruchstimmung bei Freibier
Dass man mit Freibier ganz einfach Wähler ködert, ist keine Weisheit. Aber dass gestern Abend das Kölsch "aufs Haus" ging, soll hier nur ein Nebenaspekt sein. Denn eigentlich ging es ja um die politische Sache. Die Intitiative "Aufbruch für Köln" lud zum Veedels-Fest und Peter-Kurth-Kennenlernen zum "Frits" auf der Ecke Kleine Brinkgasse/Große Brinkgasse. Dass die Kleine Brinkgasse mal ein Straßenstrich war, wusste OB-Kandidat Kurth sehr gut und streute es auch gleich mal ein. Schön zu sehen, dass er sich kleine nette Anekdoten über die Kölschen Veedel erzählen lässt und einbringt - das lässt ihn, den zugezogenen Berliner und gebürtigen Siegburger, kölscher erscheinen.
Ich wollte gestern Abend einfach einmal für mich herausfinden, wer und was hinter "Aufbruch für Köln" steckt. Und ob ich Peter Kurth zu meinem Oberbürgermeister wählen möchte. Das Ergebnis in Kurzform: Die Initiative ist hochinteressant und ja, ich werde Peter Kurth wählen. Darauf habe ich mich spätestens gestern Abend festgelegt.
Die Langfassung: Hinter "Aufbruch für Köln" steckt eine handvoll Kölner, die sich privat organisiert und die Initiative gegründet hat. Völlig losgelöst von Parteien wollen die Jungs, dass ein Ruck durch Köln geht, wie es vielleicht Ex-Bundespräsident Roman Herzog formuliert hätte. Köln soll umgekrempelt und von einem frischen Wind wachgeweht werden. Deshalb engagieren sie sich dafür, dass Peter Kurth neuer Oberbürgermeister von Köln werden soll.
Ich persönlich habe mich wie gesagt auch schon dazu entschieden. Und das obwohl Peter Kurth der CDU-Kandidat ist. Ich hätte mir niemals vorstellen können, die CDU zu wählen und vor fünf Monaten noch war mir klar, dass ich Jürgen Roters wähle. Aber da hieß der Gegner ja auch noch Fritz Schramma und das Motto "Wird schon..." oder so ähnlich. Und: Peter Kurth ist eigentlich kein CDU-Mann. Er ist einfach nur in der Partei, vertritt aber klar seine eigenen Ideale.
Ein Video vom gestrigen Abend:
Ich habe Peter Kurth in den letzten Wochen immer mal wieder beobachtet, sei es bei öffentlichen Diskussionen oder im TV-Duell. Kurth ist ein Analytiker, ein Fakten-Mensch. Nüchtern und sachlich. Lange habe ich befürchtet, dass ihm die Emotionalität fehlt, die gerade hier in Köln so wichtig ist. Doch gestern Abend wurde ich eines besseren belehrt. Kurth sprach über Köln und hatte dabei dauernd ein Lächeln auf den Lippen, dass von innen kam. Man hat erstmals gemerkt, dass er die Stadt wirklich mag und das, was er tut, von Herzen tut. Weil er die Stadt liebt.
Ist Kurth der Retter auf dem weißen Ross, der vom Horizont kommt? Im Moment hat er das Image noch nicht so ganz. Aber er kann es bekommen in den nächsten Wochen. Auch deswegen habe ich mich entschlossen, mich auch für "Aufbruch für Köln" zu engagieren und meine Wahlempfehlung für Peter Kurth deutlich auszusprechen.
Der Wahlkampf in den nächsten 30 Tagen ist die letzte Chance. Kurth sollte, wenn er gewinnen will, stärker ins Bewusstsein der Menschen kommen. Jürgen Roters grinst mich mit seinem Perlweiß-Plakat von fast jedem Baum an - wo sind die Plakate von Kurth? Man muss sie suchen. Leider. Nein, er sollte nicht so exzessiv und nervig plakatieren, wie der rot-grüne Gegner. Aber doch genug, um den Kölnern aufzufallen. Kurth hatte sicher Recht, als er gestern sagte, dass Menschen lange schon nicht mehr aufgrund von Wahlplakaten wählen. Aber: Sie wählen sicher auch niemanden, den sie kaum kennen. Deswegen muss Kurth berühmter werden. Und dann müssen wir ihn wählen!


Juli 31st, 2009 - 12:42
viel wahlwerbung, herr meyer… aber warum wählst du ihn denn? was sind d.e. die ideale, die du magst? was war so überzeugend auf der veranstaltung? so wirkst du i-wie wie ein JUler, der parteitreu daherreden muss.
bitte net falsch verstehn, ich frag ja aus echtem interesse – hab ja auch noch keinen blassen, welchen dieser beiden ich präferiere… also: her mit richtigen fakten zum (vermeintlichen) faktenmensch.
August 2nd, 2009 - 16:19
So, die ausführliche Antwort auf die Frage warum ich Peter Kurth wähle, findest du jetzt hier:
http://www.scherzinfarkt.net/2009/08/warum-ich-peter-kurth-wahle/
Juli 31st, 2009 - 12:57
*grins* Okay – das ist dann aber einen eigenen Blog-Eintrag wert. Den werde ich schreiben und dich informieren!
Bis dahin ein Verweis auf einen alten Text, in dem schon einiges steht:
http://www.scherzinfarkt.net/2009/07/was-ich-von-den-kolner-ob-kandidaten-weis-teil-2-peter-kurth/
Juli 31st, 2009 - 17:52
Dieser Beitrag ist toll geschrieben und insgesamt auch sehr interessant. Doch zu glauben, dass mit Peter Kurth in Köln “alles anders” wird ist ziemlich naiv. Peter Kurth kennt Köln nicht, Peter Kurth kennt den “Kölner” nicht und Peter Kurth ist bereits negativ vorbelastet. In Berlin war er beim Bankenskandal in einer nicht zu verachtenden Rolle aktiv. Kurth mag ein gut aussehender, junger Mann sein. Er hat bestimmt auch Ideale – aber das reicht meiner Meinung nach nicht aus.
Ich unterstütze Jürgen Roters. Roters hat zwar schon einige Jahre auf den Buckel, ist aber sehr erfahren, was die Verwaltung betrifft. Als Regierungs- und Polizeipräsident weiß er sehr gut, was Köln braucht. Nämlich eine starke Führung in der Verwaltung und sachliche Entscheidung bei neuen Großprojekten. Mit Roters brauchen wir uns auch keine Sorgen zu machen, das wichtige soziale Projekte oder städtische Unternehmen untern Hammer kommen und verschwinden. Kurth hat ja bereits angekündigt, sich die städischen Unternehmen anzuschauen und ggf. zu verkaufen.
Gruß aus Mülheim
Daniel (SPD-Mitglied)
August 2nd, 2009 - 16:03
Lieber Herr Bär:
ich bin einer der Gründer der Initiative ‘Aufbruch für Köln’ und wir haben den oben erwähnten Abend organisiert. Dass Sie als treues SPD-Mitglied natürlich auf der Seite von Herrn Roters stehen, ist verständlich. Wir sind aber partei-unabhängig und das ist bewußt so. Wir wollen, dass sich in Köln tatsächlich etwas verändert und eben nicht alles gleich im Parteiengezänk untergeht. Für einen solchen Neuanfang und Aufbruch ist Peter Kurth nach unserer Überzeugung der einzige richtige Kandidat.
Deshalb lassen Sie uns doch auch bitte bei den Fakten bleiben: so pauschal zu behaupten, Herr Kurth wäre durch den Bankenskandal in Berlin negativ vorbelastet ohne konkrete Anhaltspunkte zu nennen, ist unredlich und zeugt nur von Argumentationsarmut. Fakt ist nämlich, dass der Skandal dort durch eine SPD-Finanzsenatorin verbockt wurde.
Herr Kurth verfügt über jede Menge Verwaltungserfahrung und dazu noch viele Jahre Wirtschaftserfahrung. Das tut einer so großen Verwaltung und angeblichen Wirtschaftsmetropole wie Köln nur gut, wenn er diese Erfahrung hier einbringen darf.
Ihr Argumente für Herrn Roters (den ich persönlich achte) sind leider nur wachsweich und nicht belastbar. Nur sich in Köln auszukennen ist noch kein Kriterium für das OB-Mandat. Dann könnten wir ja jeden Taxifahrer zur Kandidatur aufstellen. Diese Argumentation ist nämlich gerade auch der Grund, weshalb Köln im Vergleich zu allen anderen ähnlichen Städten absolut rückständig ist. Ich halte es sogar für einen Vorteil, dass Herr Kurth mit einem gewißen Blick von außen an die Sache rangeht. Denn zu enge Bindungen in dieser Stadt sind doch dann immer auch gleich mit Klüngelwirtschaft verbunden (und da haben die großen Parteien in Köln ja beide über Jahre “tolle Arbeit” geleistet). Da braucht man einen unbelasteten Mann an der Spitze, der bereit ist, schwierige Themen anzugehen.
Und dann noch das typische Argument, dass so gerne von SPD gebracht wird: Privatisierung städtischer Unternehmen. Das wird dann mit dem Unterton der Entrüstung dem Raubkapitalismus gleichgestellt. Aber sollte man das nicht auch als vernünftig betrachten, dass es sich eine moderne Stadt nicht leisten kann, so viele Unternehmen in Eigenregie zu führen? Das ist doch allzu verständlich, dass man auch mal guckt, was sind denn die Kernkompetenzen der Stadt und städtischen Unternehmen und diese dann kontrolliert anstatt ein wildes Portfolio von Beteiligungen anzuhäufen – da kommt doch immer der Verdacht auf, dass diese Unternehmen nur dazu dienen, verdiente Stadträte, Parteigänger, Klüngelsbrüder mit Pöstchen zu versorgen. Nein, wir Bürger haben ein Recht auf eine transparente, moderne und effiziente Verwaltung und schlanke Strukturen. Deshalb mischen wir uns auch als Initiative ein und überlassen diese Wahl nicht nur den festgefahrenen Strukturen der Parteien. Wir wollen wirklich, dass diese Stadt wieder eine Aufbruchstimmung verspürt und das geht nur mit Peter Kurth als OB.
Beste Grüße,
Ck
August 1st, 2009 - 10:44
alles klar, das sagt schon mehr aus
und vor allem das video hilft auch ^^ auf mich wirkt er auch kompetent, aber so gar nicht mitreißend (wie du ja auch sagst). soweit ich kölle in meinen paar monaten hier jetzt kennengelernt hab, könnte das wirklich n problem sein. roters hingegen wirkt auf mich kölsch, aber eben nicht so kompetent. mal gucken, wer hier was noch ausräumen kann
August 3rd, 2009 - 16:34
Hallo,
m.E. ist es ein großes Problem, dass Herr Kurth keine Partei hinter sich hat. Auch wenn er gewinnen sollte, stellt sich für mich die Frage, wer hinter ihm steht. Ein OB ohne Unterstützung? Gut, die FDP hat sich nun geäußert, aber wer hat bisher etwas von der CDU gehört? Ein OB Schramma, der Anträge gegen seine eigene Partei durchgesetzt hat zeigt, dass dies kein Weg ist.
Nur ein OB mit einer geschlossenen Partei im Hintergrund kann stark sein und die Stadt verändern. Auch ich finde die Initiative “Aufbruch für Köln” gut. Das Bürger sich engagieren, davon lebt die Demokratie. Doch seien wir ehrlich: Was hilft es, immer wieder etwas Neues zu erfinden? Besser ist es, in einer Partei aktiv zu sein und diese bösen Sachen wie Klüngel, nicht vorhandene Transparenz etc. selbst in die Hand zu nehmen und es besser zu machen. Jeder Kandidat findet es gut, wenn Personen sie unterstützen. Doch nach der Wahl muss Herr Kurth auch seine Partei berücksichtigen und wenn dann die Ideen und Anträge von “Aufbruch Köln” nicht in das CDU-Bild passen? Für wen wird es sich wohl entscheiden?
Ja, Herr Roters kennt die Stadt und es mag sein, dass er sie etwas “zu gut” kennt. Und ja, die Wahlplakate erscheinen auch mit zu sehr nach “heile Welt” und Zahnpastawerbung.
Auch ich hätte mir sehr einen Kandidaten gewünscht, der “einen Ruck” verkörpert. Aber die Politik ist immer ein Kompromiss. In diesem Fall ist Herr Roters nicht das schlimmere “Übel” sondern, mit einem deutlichen Vorsprung, der bessere Kandidat. Begründung:
1. Er kennt die Verwaltung. Vorhin wurde schon erwähnt, dass auch Herr Kurth dies vorweisen kann. Sogar noch Erfahrung in der freien Wirtschaft. Das hat Herr Roters nicht. Dennoch rechne ich Herrn Roters die Erfahrung hoch an. Er war nicht nur Polizeipräsident, sonder auch Regierungspräsident.
2. Herr Roters kann nach der Wahl direkt “durchstarten”. Das ist der Vorteil, wenn man Köln kennt. Er ist durchaus bekannt und das auf allen Ebenen. Für ihn wird es keine “Einarbeitungszeit” geben, die man Herrn Kurth allerdings zugestehen müsste.
3. Da wiederhole ich mich: Herr Roters hat eine mehr als geschlossene Partei hinter sich. Nicht nur das: Gemeinsam mit den Grünen kann es im Rat eine sehr gute und effiziente Zusammenarbeit geben, um Köln schnell voranzubringen.
Gerne würde auch ich noch mehr Wirtschaftspolitik sehen. Wie im letzten Städte-Ranking gesehen, ist Köln auf Platz 15. zurückgefallen. Das muss sich ändern und das ist in meinen Augen auch die wichtigste Aufgabe für unsere Stadt.
Viele Grüße,
Kristina
August 10th, 2009 - 03:05
Kristina hat einen ebenfalls sehr wichtigen Grund angesprochen, Roters zu wählen. Die SPD- und Grüne-Fraktion steht voll und ganz hinter Jürgen Roters. Eine Mehrheit im Rat, eine starke Hand in der Verwaltung ist das beste, was Köln passieren kann. Und damit meine ich namentlich Jürgen Roters. Bei Kurth sehe ich nicht unbedingt den Halt, den ein OB-Kandidat braucht, um so eine Stadt zu führen. Da helfen dann auch die besten Management Erfahrungen nichts. Und zu seiner Politik in Berlin gibt es ja auch einige spannende Artikel zu lesen.
Gruß
Daniel Bär