Jubiläum, Champagner, Wunderkerzen: Heute vor vier Monaten habe ich mich bei Twitter angemeldet und mein erster Tweet erblickte das Licht der Welt. Und das klang wie folgt:
So, erste Meldung: Frisch zurück aus der Kantine, Magen verrenkt und gleich folgt die 14-h-Konferenz. eine Herausforderung jagt die nächste.
1:46 PM Mar 24th from web
Fand ich damals witzig irgendwie. Eigentlich komisch, aber das ist ja auch schon immerhin vier Monate her und inzwischen bin ich ja schlauer und habe eine Menge gelernt über Twitter, Follower – und vor allem über Zeitverschwendung! Denn das ist einer der größten Effekte von Twitter: Der Tag hat irgendwie keine 24 Stunden mehr sondern geht viel schneller vorbei, weil man die ganze Zeit von irgendwelchen Menschen, denen man beschlossen hat zu followen, ans Web gefesselt wird.
Twitter kostet Zeit!
Paradebeispiel: Während ich diesen Absatz gerade beginnen wollte und einen Einstieg gesucht habe zwitscherte es in meinem Lautschprecher und mein TweetDeck zeigte mir an, dass es einen neuen Tweet gibt. Die Folge: Ich schaue nach oben rechts in die Bildschirmecke, bin kurz abgelenkt, aus dem Gedanken raus. Aber: Wenigstens hat der Absatz nun einen Einstieg.
Jeder, der selber twittert wird bemerkt haben, wieviel Zeit Twitter frisst. Ständig kommen neue Tweets rein und immer kann es ein blöder Scherz sein, eine nutzlose Was-ich-gerade-esse-Information – oder die Knallernews des Tages. Twitter ist ein 24-Stunden-unter-Strom-Kanal, ständig passiert was. Und sich loszureißen ist unheimlich schwer.
Twitter ist schnell!
E-Mail-Allerts, RSS-Feeds und Newsticker? Vergesst es! Wenn man Twitter wirklich im Blick hat, ist Twitter die schnellste Info-Quelle – zumindest wenn man nicht selber am Ort des Geschehens ist. Radio, Fernsehen und Websites waren noch weit von Berichterstattung entfernt, als über Twitter kurz und knackig vermeldet wurde, dass Michael Jackson mit Herzstillstand ins Krankenhaus kam. Was dann geschah, war der Hammer: Die Nachricht verbreitete sich blitzschnell, wurde angereichert, weitergereicht, aktualisiert. Ein Liveticker mit unendlich vielen Berichterstattern. Während im Hintergrund CNN lief konnte ich am Monitor verfolgen, was andere Medien berichten ohne gezielt danach zu suchen – alles flog mir sekundenschnell auf den Schirm. Schnell ist gut im Internetzeitalter. Aber Echtzeit ist eben besser!
Twitter macht Spaß!
Natürlich sind es nicht nur Katastrophen, die verbreitet werden. Je nachdem, wen man in seiner Following-Liste hat, kann es auch ganz schön erheiternd sein, seinen Tweet-Feed zu lesen. Lustige Sprüche, die irgendwem spontan einfallen, werden durchs Netz gejagt, ein kleiner Lacher nebenbei lockert bei der Arbeit auf und macht alles etwas leichter. Was habe ich in den vier Monaten für dumme Sprüche gesammelt… Außerdem twittert viele Leute Links zu (manchmal auch weniger) lustigen Bildern, Videos und Websites. Für Humorsüchtige also ein gutes Tool um an die tägliche Dosis zu kommen.
Twitter ist kurz!
Das ist ja gerade das Schöne dabei. Während ich hier gerade ausschweifend erzähle, was Twitter alles bewirkt hat bei mir, muss man sich bei Twitter selber schön kurz halten. 140 Zeichen sind nicht viel – aber das ist der Vorteil! Erstens lernt man sich, alles, was man mitteilen will, auf das Essenzielle zusammenzupressen. Zweitens wird es gelesen! Denn: 140 Zeichen kann mein Follower natürlich auch schneller aufnehmen als ellenlange Blog-Einträge (weshalb ich nur davon träumen kann, dass ich so viele Blog-Abonnenten habe, wie mein Twitter-Account Follower).
Twitter und die Arbeit
Ja, ich twittere auch im Büro. Machen wohl die meisten Leute, wenn ich mir meinen Tweet-Feed so ansehe. Aber: Als Online-Redakteur bin ich ohnehin dauernd im Netz. So manche Nachricht, die sich in der Welt ereignet hat, habe ich auch im Büro dank Twitter schnell gesehen und weiterverbreiten können. Und das Ganze natürlich auch umgekehrt: Ich lasse meine Follower ein Stück weit an meinem Job teilhaben, mache sie (hoffentlich) neugierig und kann sie (vielleicht) als neue User gewinnen. Ob die Zeit, die Twitter im Job stiehlt, durch die Zeit, die man durch die Echtzeit-Infos bekommt, wieder reinkommt, kann ich nicht sagen. Ich glaube allerdings nicht, dass Twittern zum Unproduktivsein und zu schlechterer Arbeit führt (an dieser Stelle mal ein Gruß an meinen Chef, der bestimmt mitliest). Vielmehr steigt das Konzentrationslevel und die Multitasking-Fähigkeiten werden auch geschult, wenn man zwischendurch immer mit einem Auge die neuesten Tweets unten rechts im TwitterFox liest (vielleicht rede ich mir das gerade auch schön, aber ich werde sicher nicht sagen, dass Twitter meine Arbeitsleistung schmälert, wenn mein Chef das hier lesen kann).
Twitter und die Freizeit
Ja, das ist wirklich ein Problem. Bislang musste ich, wenn ich zu Hause vor dem PC saß, “nur” mein E-Mail-Postfach, meinVZ, Facebook, meinen RSS-Reader und die ein oder andere Community im Auge behalten, um up-to-date zu sein. Seit ich twittere, fordert mein PC noch mehr Aufmerksamkeit von mir ein, hat mir noch mehr zu sagen, fesselt mich noch mehr. Ich kann mich kaum noch loseisen, denn während ich mal schnell was zu Essen mache könnte sich doch was spektakuläres ereignen. Manchmal kommt auch was sinnvolles dabei rum, aber meistens – muss man leider sagen – wäre es besser, ein Buch zu lesen.

Fazit in 140 Zeichen:
Vier Monate mit Twitter – eine tolle Zeit! Und ich bleibe dabei! Mehr Input, mehr Output, mehr Follower! Wer noch nicht dabei ist: Mach mit!

Wie Twitter mein Leben veränderte



Danke für deinen Beitrag. Du sprichst mir aus der Seele!
Ein prächtiges Fazit.
Hat mir sehr geholfen bei der Suche nach Rechtfertigungen vor Frau und natürlich mir selber.
Und ich teile Ihre Ansicht, nur falls Ihnen das jetzt etwas bringt
Timm Arnold
Hamburg
Du hast es geschafft die Essenz, die Twitter für mich beinhaltet, in einen Satz zu bannen: „Manchmal kommt auch was sinnvolles dabei rum, aber meistens – muss man leider sagen – wäre es besser, ein Buch zu lesen.”
Ein Aspekt fehlt noch in deiner Aufreihung: Twitter und die Medienwahrnehmung.
Twitter ist ein wunderbares Spielzeug. Ich nutze es mit Begeisterung, freue mich, Informationen noch stärker vorsortieren lassen zu können. Seit ich Twitter nutze, lese ich deutlich weniger Blogs. Schaue deutlich seltener auf klassische Nachrichtenangebote. Fühle mich aber nicht weniger informiert.
Und genau darin sehe ich ein großes Problem: Twitter ist schnell, Twitter ist (noch?) unabhängig (man denke an die Wahl im Iran). Aber auch ein großer Gatekeeper. Viele Twitterer setzen sich mit nur einem schmalen Themen-Spektrum auseinander. Ist prima – so bekomme ich nur das, was mich wirklich interessiert. Aber wichtig ist es auch, links und rechts mal vermeindlich „Unwichtiges” vorbeirauschen zu lassen.
Twitter mit dem „alten” Rezeptions-Verhalten kombinieren? Geht nicht – dafür lässt einem die Twittererei ja keine Zeit mehr
Treffender kann man es nicht auf den Punkt bringen! Danke
[...] gezwitschertes Gedankengut► Neu: Blog3000@twitterAlle Blogartikel in deiner Timeline!► Scherzinfarkt.netWie Twitter mein Leben [...]
Toller Beitrag, und der Web 2.0 trend twitter behauptet sich immer weiter.
Ich twitter zeit kurzem auch, aber auch um meinen followern meine neuesten blog beiträge zu zeigen.
Twitter in der Freizeit halte ich nicht viel davon da man heutzutage so wenig Freizeit hat. Im Beruf finde ich das eine tolle erfindungen wie eine nützliche app beim iphone
Also ich bin auch erst seit wenigen Monaten auf Twitter, aber es schon ein geniales Tool. Ich wäre ohne Twitter vermutlich nie auf diesen Blog gestoßen.
Und wir haben über Twitter zu viert (alle Blogger) eine Motorradtour nach Italien organisiert (“Twitaly 2.0(09)”
) und während der Tour alles getwittert was wie so erleben.
Das war echt schön und wäre so ohne Twitter gar nicht entstanden.
Wer sich für die Tour interessiert kann ja mal in mein Blog schauen, da habe ich einen Link zu den archivierten tweets.
Gruß,
Marc
und wenn man in diese überlegung noch die smartphones mit einbezieht….
Verdiene auch mein Geld im Web und mit Computern seit über 20 Jahren, bzw. versuche ich es
. Teilweise komme ich mir jedoch wie ein “Internet-Junkie” vor, immer mehr, immer schneller, noch mehr Infos, jeder umfallende Reissack in China ist wichtig…deswegen nehme ich mir ab und zu eine Auszeit, vor drei Jahren sechs Monate durch Indien, diverse Yogaschulen abgeklappert, oder mal 10 Tage Vipassana Meditation, 10 Tage Schweigen in einem Retreat, weder lesen, noch schreiben, nicht mal Augenkontakt, 10 Stunden meditieren…
Vor Kurzen ging mein Webanschluß nicht….aber hallo..Entzug…denkt mal darüber nach. Deswegen versuche ich es zu verbinden, durch die Gründung eines gemeinnützigen Vereins und dem Projekt http://www.memoro.org/de.
Suche dafür immer interessante Erzähler, Helmut Schmidt wäre ein Favorit…
Gruß aus München,
Nikolai.Schulz@memoro.org
Hmm, irgendwie haben mich die Argumente noch nicht überzeugt, mit dem Twittern zu starten. Vielleicht “lese” ich es auch falsch?!
Aus meiner Sicht ist es eine wilde Aneinanderreihung irgendwelcher Kommentare, die mir nicht wirklich weiterhelfen.
Wo seht Ihr den wahren Vorteil… ausser vielleicht ein paar lustige Sprüche und noch aktueller zu sein, als es das Web (im “klassischen” Sinn) sowieso schon ist.
Bin an Euren Meinungen interessiert
Andreas