Scherzinfarkt Buchkritik “Das verlorene Symbol”

Buchkritik “Das verlorene Symbol”

Abgelegt unter Lesenswert am 20. Oktober 2009 um 08:41 Uhr 6 Kommentare

Darum geht’s: Washington, D.C.: In der amerikanischen Hauptstadt liegt ein sorgsam gehütetes Geheimnis verborgen, und ein Mann ist bereit, dafür zu töten. Doch dazu benötigt er die Unterstützung eines Menschen, der ihm freiwillig niemals helfen würde: Robert Langdon, Harvard-Professor und Experte für die Entschlüsselung und Deutung mysteriöser Symbole.
Nur ein finsterer Plan ermöglicht es, Robert Langdon in die Geschichte hineinzuziehen. Fortan jagt der Professor über die berühmten Schauplätze der Hauptstadt, doch die wahren Geheimnisse sind in dunklen Kammern, Tempeln und Tunneln verborgen. Orte, die vor ihm kaum jemand betreten hat. Und er jagt nicht nur – er wird selbst zum Gejagten. Denn das Rätsel, das nur er zu lösen vermag, ist für viele Kreise von größter Bedeutung – im Guten wie im Bösen.
Zwölf Stunden bleiben Robert Langdon, um seine Aufgabe zu erfüllen. Danach wird die Welt, die wir kennen, eine andere sein.

So ist’s: Nach “Illuminati” und “Sakrileg” nun der dritte Dan-Brown-Roman mit Robert Langdon. Und was in den ersten beiden Teilen funktionierte, holt Brown nun gnadenlos aus seinem Archiv: “Das verlorene Symbol” liest sich genau wie seine beiden Vorgänger – mit dem Unterschied, dass die Ideen inzwischen nicht mehr neu sind. Statt Rom oder Paris spielt die Handlung nun in Washington, D.C., statt Illuminaten oder Katholiken sind nun die Freimaurer unsere Gruppe, die entschlüsselt wird. Die weiteren Bausteine sind auch die gleichen: Langdon hat wieder eine Frau an seiner Seite, die mit ihm auf Schnitzeljagd geht, wird wieder von einer Behörde gejagt (nach Schweizer Garde und französischer Polizei diesmal vom CIA), und wieder gibt es einen rätselhaften, andersartigen Einzelgänger-Killer, der Langdon und Co. nach dem Leben trachtet.

“Das verlorene Symbol” liest sich ein wenig, als hätte Dan Brown das Handlungsgerüst seiner ersten beiden Langdon-Bücher genommen und einfach neue Zutaten reingekippt, um das ganze dafür zu nutzen, der Welt zu zeigen, was er alles weiß. Zweifellos lernt man beim Lesen wieder eine Menge, aber irgendwann ist auch genug. Wenn man in jedem Halbsatz mit (unnützem) Wissen vollgeballert wird, macht’s irgendwann keinen Spaß mehr.

Überraschungen halten sich im “Verlorenen Symbol” sehr zurück. Wer die Vorgänger-Bücher kennt, wird wohl jede vermeintliche Überraschung im Voraus entlarvt haben, denn auch hier setzt Brown eher auf Altbewärtes, als auf Originelles. Schade eigentlich. Nichtsdestotrotz ist “Das verlorene Symbol” gute Unterhaltung. Es lässt sich (auch das ist typisch Brown) fix weglesen, für die 764 Seiten habe ich kaum fünf Tage gebraucht. Das Buch nimmt uns mit auf eine interessante Schnitzeljagd, die zwar nicht ganz so spannend ist, wie in den beiden Vorgängern, aber immer noch nett. Leider hat Brown auf den letzten 100 Seiten den Abgang des Buches nochmal so richtig versaut: Nachdem die eigentliche Story schon vorbei und das Rätsel gelöst ist, schickt er Langdon und seine weibliche Begleitung auf eine kleine sentimentale Abschiedstour durch Washington und wieder hat man das Gefühl, dass er das nur macht, um möglichst noch ein paar Fakten zwischen die Buchdeckel zu quetschen. Schade – sehr schaler Abgang.

Fazit: Der große Wurf ist “Das verlorene Symbol” sicher nicht. Vielmehr der nötige dritte Teil nach dem großen Erfolg der ersten beiden. Fans der Langdon-Serie werden Spaß daran haben, ihren Helden wiederzusehen. Alle anderen sollten aber lieber “Illuminati” oder “Sakrileg” lesen – die sind besser!

Passend zum Thema:

6 Kommentare:

  1. Mariella sagt:

    Vielen Dank für diese tolle und ausführlich Rezension. Die Aussagen überraschen mich eigentlich nicht, es lag meiner Meinung nach ohnehin nahe, dass die Freimaurer und ihre geschichtliche, politische und gesellschaftliche Bedeutung auch irgendwann mal von Dan Brown innerhalb eines spannenden Buches mit ein paar Mainstream Zutaten (hübsche Dame an seiner Seite etc.) vermischt, verarbeitet wird. Ich denke, ich werde das Buch lesen. Habe alle anderen Brown’schen Werke meist als unterhaltsame Urlaubslektüre gelesen und halte es mit “Das verlorene Symbol” genauso:-) Herzliche Grüße, Mariella

  2. ceilyn sagt:

    ich persoenlich fand schon “Sakrileg” nicht wirlich gut, aber nun weiss ich, dass ich mir den neuen dan brown auch nicht kaufen muss.. ^^
    danke

  3. Dieter sagt:

    Hallo,

    bei mir hat es geschlagene drei Tage gedauert, dann war ich durch.

    “Das verlorene Symbol” kann Sakrileg nicht annähernd das Wasser reichen.

    Es ist eine kurzweilige Urlaubslektüre, bis zum Ableben des Bösewichtes. Danach wird das Buch richtig peinlich.
    Hier scheint die Vorgabe des Verlages eine Seitenzahl zu erreichen oberstes Motiv gewesen zu sein. Anders kann man sich diesen Quatsch nicht erklären, den Brown da auf den letzten Seiten verzapft hat, denn ich finde auch nicht das vorher beschriebene Trivialwissen, das hier vermittelt werden soll. Einfach nur Quatsch die letzten Seiten.

    Gekauft – gelesen – abgehakt. Im Regal landet das Buch nicht.

    Dieter

  4. Nila sagt:

    Ich bin gerade dabei, dieses Buch zu lesen. Mein “Liebling” ist trotzem noch Illuminati. Aber ich hoffe noch, dass es an Illuminati “ran kommt”.
    Heul, jetzt habe ich deine Kritik mit dem Ende gelesen ;)
    Liebe Grüsse
    Nila

  5. P. Lurker sagt:

    Fiktion und Wirklichkeit

    Weil ich einerseits selbst Freimaurer bin und weil ich mich andererseits auch mit den antiken Mysterien beschäftige, werde ich im Bekanntenkreis immer wieder auf die Bücher von Dan Brown angesprochen oder mit irgendwelchen Vorstellungen konfrontiert, die aus diesen Büchern stammen. Deshalb habe ich mir den neuen Roman „Das verlorene Symbol“ etwas genauer angeschaut, um mir selbst ein Urteil über dieses Buch bilden zu können.

    Die Handlung läuft nach einem ganz ähnlichen Schema wie auch schon bei den früheren Romanen Illuminati und Sakrileg: Auch diesmal gerät der Symbolik-Professor Robert Langdon wieder in eine sehr turbulente Handlung und löst die Probleme, indem er viele verborgene Hinweise nacheinander entschlüsselt.

    Nach meinen Erfahrungen mit Illuminiati und Sakrileg (die zwar gut gemacht sind, aber völlig frei erfunden) hatte ich nun erwartet, dass Dan Brown die üblichen Verschwörungstheorien und -phantasien aufgreifen würde. Beim Lesen war ich jedoch positiv überrascht, dass genau das nicht der Fall ist. Vieles von dem, was die Hauptfigur Robert Langdon über die Freimaurerei sagt, könnte durchaus auch in ähnlicher Form auf der Homepage einer Freimaurereloge stehen. Möglicherweise hat der Autor seine Informationen über die Freimaurerei auch genau auf diese Weise erhalten.

    Bei den beschriebenen Ritualen gibt es jedoch einige Übertreibungen und Andeutungen, die nicht der Realität entsprechen, die jedoch für den Handlungsaufbau des Romans von entscheidender Bedeutung sind. Der Bösewicht Mal’akh versucht beispielsweise, die Freimaurer zu erpressen, indem er kompromittierende Szenen aus unterschiedlichen Ritualen zu einem Film zusammenschneidet, wobei auch hochrangige Politiker zu erkennen sind, die an diesen Ritualen teilnehmen. Diese Erpressung ist der eigentliche Grund, warum der Geheimdienst an dieser Geschichte beteiligt ist, nämlich um die Regierung vor den Gefahren zu beschützen, die eine solche Veröffentlichung hätte. Tatsächlich findet jedoch bei den freimaurerischen Ritualen überhaupt nichts statt, was in irgendeiner Form ehrenrührig oder kompromittierend wäre. Und weil die Freimaurerei in den Vereinigten Staaten sehr viel populärer ist als in Deutschland, würde es dort auch niemanden überraschen, dass viele bekannte Persönlichkeiten Freimaurerlogen angehören. Ein solcher Mitschnitt von freimaurerischen Ritualen könnte also niemals die öffentliche Ordnung gefährden, und deshalb wäre es auch sehr unwahrscheinlich, dass der Geheimdienst in einer derart heftigen Form eingreift.

    Dan Brown beschreibt weiterhin einen Zusammenhang zwischen den alten Mysterien und der modernen Freimaurerei, der auch nicht mehr so hundertprozentig der heutigen Realität entspricht. Es gibt zwar einzelne Freimaurer, die diesen Zusammenhang sehen und die sich mit beiden Themen beschäftigen, aber ein Großteil der Freimaurer ist eher humanistisch-aufklärerisch orientiert und hat dementsprechend eine eher distanzierte Einstellung zu den religiösen, spirituellen, esoterischen und mystischen Themen. Deshalb kann es einem auch passieren, dass manche Freimaurer sehr ausweichend und ablehnend reagieren, wenn man sie auf die Geheimnisse der alten Mysterien anspricht. Das eigentliche Geheimnis der Freimaurerei liegt nicht in den alten Überlieferungen sondern in der Wirkung, die sie in uns entfaltet.

    Gegen Ende des Buches gibt es noch einige interessante Aussagen über die alten Mysterien, die man zwar nicht notwendigerweise im freimaurerischen Kontext interpretieren sollte, die aber unabhängig davon trotzdem wahr sind, z.B. die Behauptung von Katherine Solomon: „Wenn du die kryptischen Gleichnisse in der Bibel erst verstehst, wirst du erkennen, dass sie eine Studie des menschlichen Geistes ist.“ Wenn jedoch behauptet wird, dass einige der beschriebenen Wunder mit diesem Wissen nur noch eine Frage des Wollens sind, dann kann ich dieser Schlussfolgerung nicht mehr zustimmen. Dieser Sprung ist auch für mich zu weit (um mal eine Formulierung von Robert Langdon aufzugreifen). Wenn man tatsächlich die kryptischen Gleichnisse der Bibel versteht, dann kann man nämlich erkennen, dass auch die beschriebenen Wunder solche kryptischen Gleichnisse sind – und das führt zu ganz anderen Schlussfolgerungen.

    In Dan Browns Roman werden die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit sehr stark vermischt. Ein unvorbereiteter Leser wird deshalb nur sehr schwer erkennen können, wo die Wahrheit aufhört und wo die Fiktion beginnt.

    Falls sich jemand dafür interessiert, welche realen Fakten dieser Fiktion zugrunde liegen und worum es den Freimaurern tatsächlich geht, dann kann ich folgende Sachbücher empfehlen:

    - „Freimaurer in 60 Minuten“ von Philip Militz und Jonathan Byron
    - „Freimaurer für Dummies“ von Christopher Hodapp und Hartmut Strahl

    Bitte nicht vom flapsigen Titel irritieren lassen. Das Buch ist wirklich sehr informativ.

    Wer noch mehr über die Freimaurerei erfahren möchte, der sollte einfach mal einen öffentlichen Vortrag oder einen Gästeabend in einer Freimaurerloge besuchen. Die meisten Logen geben diese Termine auf ihrer Homepage bekannt oder man erfährt dort zumindest eine eMail-Adresse, wo man gezielt nach solchen Terminen fragen kann. Man sollte aber berücksichtigen, dass bei manchen Gästeabenden auch Vorträge über ganz andere Themen gehalten werden. Bei öffentlichen Vorträgen kann man übrigens auch als Frau teilnehmen und darüber hinaus gibt es auch einige Frauen-Logen für Freimaurerinnen.

    Falls sich jemand für die alten Mysterien interessiert, so möchte ich auch noch auf das Buch „Mysterienschulen“ von Konrad Dietzfelbinger hinweisen. Was die „kryptischen Gleichnisse“ in der Bibel betrifft, so werden die entsprechenden Grundlagen und Methoden sehr gut und in einer ungewöhnlich klaren Form in dem Buch „Blicke in eine andere Wirklichkeit“ von Elias Erdmann beschrieben.

  6. Siro sagt:

    26 € zum Fenster rausgeschmissen – das Symbol ist ein Illuminati Light!!!

Kommentieren

  • Buchkritik “Das verlorene Symbol”
  • Buchkritik “Das verlorene Symbol”
  • Buchkritik “Das verlorene Symbol”
  • Buchkritik “Das verlorene Symbol”

© Florian Meyer 2010