Panik unterm Regenbogen
Man sollte vorsichtig sein, wem man zustimmt - und in welchem Maße. "Full Ack!" habe ich heute getwittert, nachdem ich einen Artikel auf Welt.de gelesen habe. "Full Ack" - das bedeutet "Volle Zustimmung" und war, wie ich inzwischen weiß, falsch. Richtig wäre "recht große Zustimmung" gewesen, oder besser noch "Guter Ansatz". Denn inzwischen hat der Artikel von Philipp Gut weite Kreise gezogen, für Aufsehen gesorgt. Er schreibt "Homosexualität ist zu einer Art Religion geworden" und prangert die Verkultung des Schwulseins an. Da kann ich zustimmen. Aber: In dem Text verbergen sich zahlreiche gemeine Spitzen, die ich im ersten Anlauf nicht als solche wahrgenommen habe.
Kurz nachdem ich dem Artikel öffentlich bei Twitter für gut befunden habe, wurde ich von Sascha Lobo deswegen entfolgt. Sein Vorwurf: Homophobie. Mein Blick: Ungläubig. Sollte Herr Lobo wirklich einer von den Menschen sein, die beim leisesten Fünkchen Kritik direkt den Generalverdachts-Hammer rausholt und auf alle einprügelt? Die Folge: Eine Diskussion bei Facebook mit Lobo und einigen seiner Friends. Die meisten sind entsetzt über den Text und darüber, dass ich ihn gut finde.
Inzwischen habe ich auch den sehr guten Text von Stefan Niggemeier zum Artikel gelesen und muss ein stückweit zurückrudern: Nein, der Text ist nicht in seiner Gänze gut. Der Text enthält fiese Stolpersteine, die man beim Que(e)rlesen schnell übersieht - und die deshalb um so gefährlicher sind. Autor Philipp Gut geht in seinen Forderungen zum Teil zu weit. Trotzdem möchte ich hier noch einmal darlegen, welchen Punkten ich zustimme und warum:
Philipp Gut prangert eine fortschreitende Kult-Werdung des Schwulseins an. Recht hat er damit. Schwule sind in der allgemeinen Anschauung zu einem schrillen, liebenswerten Völkchen geworden - besonders ernst genommen werden sie aber nicht. Wer sich einer Frau gegenüber als schwul outet bekommt in einem Großteil der Fälle zu hören, dass man nun ja "unbedingt miteinander einkaufen" muss. Ohnehin scheint jede Frau einen schwulen besten Freund zu brauchen - in etwa so dringend wie eine Handtasche. Schwule werden pauschalisiert, gerahmt, an die Wand gehangen, mit Glitter beworfen und aus Prinzip toll gefunden. Und die meisten Schwulen machen das auch mit - immer noch besser, als nicht toleriert zu werden.
Toleranz ist eine Sache. Akzeptanz auch. Aber von Normalität ist Schwulsein trotzdem noch weit entfernt. Und entfernt sich immer mehr. Es ist schön, toleriert zu werden - aber deswegen muss man noch nicht in die rosafarbene Schublade gesteckt werden. Nur weil ein Mann einen Mann liebt heißt das nicht, dass er kein Arschloch ist. Es gibt auch Schwule, die ungepflegt sind. Auch Schwule, die nicht zum CSD gehen, die nicht mit Frauen shoppen gehen wollen - ja, manche wollen nicht mal Prosecco trinken, sondern lieber Fußball gucken!
Durch das Pauschalisieren und Verkulten des Schwulseins entfernen wir uns immer mehr von der Normalität (wobei auch der Begriff "Normalität" ein schwer zu greifender ist). Menschen wie "du und ich" sollten Schwule sein. Menschen, die dazu stehen können, ohne gleich eine Sensation zu sein, ohne erzählen zu müssen "wie das denn so ist". Sie sollen nicht Sätze hören müssen wie "Aber bei mir hast du dich gar nicht geoutet" - man sollte einfach akzeptieren, dass es so ist. Ende, Aus, Gelände. Nicht mehr und nicht weniger. Nach dem Motto: Ich bin ein Mann und liebe Männer - that's it!
Die Diskussion um den Artikel von Philipp Gut zeigt leider eines: Wir sind noch lange nicht so weit, dass Schwulsein Normalität ist. Gut beschreibt richtig, dass Schwule selbstverständlich geworden sind. Das ist auch gut so, um einmal einen schwulen Politiker zu zitieren. Aber Selbstverständlichkeit ist eben nicht Normalität. Schrillheit und Besonderssein kann Augen öffnen und aufmerksam machen - es wird aber niemals normalisieren.


Oktober 18th, 2009 - 21:34
Na dann aber mal “Volle Zustimmung” zu dem Blog-Eintrag!
Oktober 18th, 2009 - 21:35
Ich glaube ich muss den Artikel von Gut nochmal lesen. Ich habe keine Stolpersteine bemerkt, beim ersten lesen jedenfalls nicht. Ich kann vieles von dem was Du geschrieben hast nachvollziehen. Aber ich glaube ich bin an dem Punkt an dem ich es als normal empfinde, für mich ist jemand der schwul/lesbisch ist nichts besonderes. Ein Mensch wie Du und ich. Außerdem hasse ich shoppen und Handtaschen sind überwertet
Gruß Jana
Oktober 18th, 2009 - 21:37
Hallo,
interessante Meinung, ich habe den Artikel vollkommen anders verstanden. Eben nicht, dass die Mehrheit einen Kult aus den Schwulen macht, sondern das die Schwulen ein Kult darum machen und es der Mehrheit aufzwingen. Da ist eine vollkommen andere Sichtweise. Und es macht einen gehörigen Unterschied, ob Schwule benutzt werden oder ob behauptet wird, diese zwingen anderen etwas auf. Und dieser Herr Gut sieht die Dinge eben etwas anders, er will gerade nicht Toleranz oder gar Akzeptanz, mein Eindruck ist eher, dass er genau das Gegenteil will. Alle zurück in den Schrank bitte.
Oktober 18th, 2009 - 21:40
Danke für die Aufklärung und auch den Link zum Niggemeier. Sind auch wahre Worte, die du hier nidergeschrieben hast.
Oktober 18th, 2009 - 22:00
Ich habe Guts Artikel jetzt zweimal gelesen und stimme zu, dass er teilweise sehr abwertend ist. Beim ersten lesen fand ich ihn, bis auf den Einstieg, im Ansatz ganz interessant. Aber auch ich als nicht-schwul (auch nicht lesbisch) habe den Artikel anders gelesen, als die meisten. Beim zweiten Lesen ist mir allerdings klar geworden, dass der Vorwurf homophop an manchen Stellen doch gerechtfertigt sein könnte. Dein Artikel hingegen ist denk ich auch beim zweiten Lesen einfach nur gut. Und was den Absatz mit dem schwulen besten Freund betrifft, stimme ich dir 100% zu. Die sind schick, die hat Frau gerne an ihrer Seite, aber das find ich nicht verkehrt, nur, dass sie Frauen weitaus mehr bedeuten als ne Handtasche … davon hat sie ja nen paar mehr. Ein schwuler bester Freund ist etwas besonderes und nichts, was man erwerben kann. Nichtsdestotrotz sind es Menschen wie du und ich. Was den CSD betrifft, der geht mir ehrlich gesagt auch auf den Zeiger, zumindest wenn die Leute an den 2 tagen, auf der Straße so provokativ rummachen, dass ich schon beschämt wegschaue. Aber die gibts unter den heteros auch und sowieso … pauschalieren kann man gar nix. Die Erwartung an deinen Artikel haste übertroffen
chapeau
Oktober 18th, 2009 - 22:08
Aber, Entschuldigung, das ist doch Unsinn, die These von der “Verkultung des Schwulseins”. Das war doch früher, in den Zeiten, nach denen sich Herr Gut anscheinend zurücksehnt, viel schlimmer, da gab es in der Öffentlichkeit tatsächlich fast nur Drag Queens und Lederschwule. Gerade durch die Allgegenwart von Schwulen, durch ihre Sichtbarkeit, gibt es jetzt auch offen schwule Manager, offen schwule Fernsehmoderatoren, offen schwule Politiker, offen schwule Lehrer, offen schwule Fußballfans etc. – und jeder schwule Jugendliche zum Beispiel kann sich aussuchen, wer für einen selbst als Vorbild taugt. Gerade diese Vielfalt, die durch Sichtbarkeit entsteht, und die eine Form von Normalität ist, nervt den Herrn Gut.
Er sagt es ganz deutlich: Schwule sollen wieder unsichtbar werden. Offene Homosexualität ist für ihn wie eine offene Hose. Das sind keine “Stolpersteine”. Klarer kann man seine eigene Homophobie kaum formulieren.
Oktober 18th, 2009 - 23:14
Ich denke, dass der Text tatsächlich 2! Lesarten hat. Aber Moment.
Zunächst mal will ich noch in Richtung Herr Niggemeiers folgendes schicken: Ja, Homosexualität ist im Alltag angekommen. Zumindest als Begriff und als das, was man damit verbindet. Aber ich kenne leider Bank-Manager und Lehrer, die nicht, wie es manche Politiker und Fernsehmoderatoren können/wollen/müssen, so offen damit umgehen, wie letztere es tun. Aber machen wir uns mal nichts vor, die zuletzt genannten müssen aufgrund ihrer Öffentlichkeit auch …naja… “öffentlich” damit umgehen. Man stelle sich nur einen Politiker vor, bei dem nach 20 Jahren im Amt rauskäme, dass er all die Jahre über schwul war und seine Neigungen ausgelebt hat, ohne es herauszuposaunen. Die Schlagzeilen der BILD-Zeitung will man sich gar nicht ausmalen. Auch seriösere Zeitungen würden vermutlich mit Begriffen wie “Vertrauen” und “Authentizität” umherwerfen, obwohl man sich fragen muss, was seine Sexualität mit seiner Arbeit zu tun hat. “Schwul sein” ist eben doch irgendwie eine Art “Modeerscheinung” geworden. Und noch mehr, die Art, dazu zu stehen.
Welchem Geschlecht man sich zugeneigt fühlt, sollte nur dann zum Thema werden, wenn z.B. zwei Männer sich kennenlernen, gute Freunde werden und sich einer der beiden in den anderen verliebt. Dann sollte darüber gesprochen werden. Im Übrigen genauso, wie man das in einer Mann-Frau-Konstellation tun würde.
Was Florian schildert, stimmt. Homosexuelle wollen als solche ernst und wahrgenommen werden, verfallen jedoch dem Antrieb, genau das um jeden Preis durch Provokation/Auffallen erreichen zu wollen. Das macht mich schon manchmal stutzig. Für mich gehört Homosexualität zum Alltag (zum “Normalen”), mein Freundeskreis besteht aus Schwulen, mein Bruder ist schwul (ich im Übrigen nicht) und immer mal wieder wird mir von Schwulen, die durch ihr schrilles Auftreten provozieren (oder was weiß ich erreichen) wollen, vorgeworfen, ich wäre homophob, weil ich genau diesem Auftreten kritisch gegenüber stehe (NICHT ihrer Sexualität). Wenn ich ihnen dann erkläre, dass ich nicht nur toleriere, sondern auch akzeptiere und auf mein Umfeld verweise, dann wird mir vorgeworfen, es würde sich dabei nur um Pseudo-Freundschaften handeln – was absolut aus der Luft gegriffen ist. Es mag ja auch unter Schwulen Paradiesvögel geben, wie es sie auch unter Heteros gibt, aber: Mehr und mehr gewinnt man den Eindruck, dass das Auftreten, wie es Florian (auch in Anlehnung an den Artikel auf Welt.de) beschrieben hat, nur dazu dient, Aufmerksamkeit zu erregen – ohne sich klar zu machen, dass dies 1. gar nicht mehr notwendig ist und sich 2. eher negativ auf die Wahrnehmung, die die Gesellschaft auf Homosexualität hat, auswirkt.
Oktober 18th, 2009 - 23:44
Zustimmung für Herrn Niggemeier. Es handelt sich bei dem Text des Herrn Gut um einen einzigen großen Stolperstein, der mehr über den Autor, als über die Realität (und erst recht die schwul/lesbische Realität) erzählt.
Und nun mag man wie Florian Meyer eine Übersexualisierung der Gesellschaft kritisieren und im gleichen Atemzug von einer “Verkultung des Schwulseins” sprechen und damit sogar Recht haben, aber ich möchte eine weitere Aussage von Herrn Meyer unterstreichen: Er spricht von Schwulen “in der allgemeinen Anschauung”. Auch hier würde ich Zustimmen und darauf hinweisen, dass wir es also wieder mit einem Problem zu tun haben, dass “den Schwulen” aufgedrängt wird.
Selbst im Freundeskreis höre ich, dass die Mode- und Medienwelt von “Schwulen” dominiert sei und daher von Diskriminierung ja keine Rede mehr seien könne. Meine subjektive Wahrnehmung im Alltag ist eine ganz andere, aber vielleicht liegt es daran, dass ich noch an keinem CSD teilgenommen habe? Das wiederum ist nun natürlich mein Problem – ich mag keinen Karneval…
Oktober 18th, 2009 - 23:56
Ich finde es interessant, wie schnell jemand nur durch die teilweise Bestätigung eines Artikels verspottet und gemobbt werden kann und das auch noch von einer Person, wie Herrn Lobo, der es eigentlich besser wissen müsste. Für mich hatte das zur Folge ihm nicht mehr zu folgen. (muhaha, ein Wortspiel
)
Jemand der sich selbst als schwul outet und trotzdem diesen Kult um seine sexuelle Ausrichtung kritisiert, als homophob/intolerant/Vollidiot(laut Herrn Lobo) zu beschimpfen ist einfach nur eine Frechheit.
Ein solches Verhalten sollte nicht bestätigt werden, denn nur weil eine Person bekannt ist, muss sie noch lange nicht Recht haben.
Nicht jeder der die Veranstaltung eines Kultes kritisiert ist gleichzeitig auch homophob. Ich kann dieses Fremdschämen durchaus verstehen. Ich schäme mich auch für deutsche Urlauber, oder für Deutsche türkischer Abstammung, für die sich auch Türken, wie ich von Bekannten erfahren hab, schämen. Trotzdem bin ich nicht rassistisch.
In diesem Sinne: Es sollte niemand dafür kritisiert werden, wer er ist. Es sollte aber auch keinem unter die Nase gerieben werden.
Oktober 19th, 2009 - 13:54
Ich stimme dir weitgehend zu, würde aber aus dieser Meinung keine Forderungen formulieren, da ich denke, dass es einem jeden selbst überlassen werden sollte, wie er seine Persönlichkeit auslebt – und das schließt ausdrücklich auch Schwule, die mit der besten Freundin einkaufen gehen ein.
Ich finde allerdings, dass du hier Kritik auf einer völlig anderen Ebene als Philipp Gut ausübst und im Grunde einen völlig anderen Punkt ansprichst. Während du von einem “Kult ums Schwulsein” sprichst, meint Herr Gut einen “von Schwulen erhobenen und der eigentlich abgeneigten Mehrheitsgesellschaft aufgedrückten Kult”. Philipp Guts Ansatz ist homophob, deiner spiegelt eine persönlich Meinung wieder.
Ich verstehe also keineswegs deine Zustimmung zu seinem Artikel.
Oktober 19th, 2009 - 15:22
na das ließt sich aber mal 120grad anders als “full ack”. werde den tweet und blogeintrag als beispiel aufheben, dass lesen und denken teils zu ganz erstaunlichen meinungsänderungen führt
Oktober 21st, 2009 - 12:41
Hallo Florian,
einerseits schreibst du von “den Schwulen”, andererseits differenzierter, dann wieder von “normalen” und “schrillen” Schwulen, wobei letztere in deiner Sichtweise zu denen gehören, die dafür sorgen, dass Klischees geritten werden und Akzeptanz von Homosexualität verweigert wird.
Entschuldige bitte, aber es gibt nicht DEN Schwulen, es gibt auch keine Unterteilung in normale und schrille. Und ich finde auch nicht, dass Schwule normal werden müssen, um akzeptiert zu werden. Was hierzulande als normal gilt, ist in meinen Augen nicht weniger, als dass sich Homosexuelle dem heteronormativen Bild anzupassen haben, sonst werden sie als Exoten wahrgenommen. Genau dieser Mainstream-Vorstellung scheinst du dich anzupassen.
Überleg doch mal, wer die Schubladen und Klischees aufgemacht hat. Sicherlich kein Homo, sondern Menschen, die aufgrund ihrer heterosexuellen Orientierung meinen zu glauben, was normal sei und was nicht. Ich bin froh, dass es schrille Schwule gibt, genauso wie es schrille Heteros gibt. Ich bin froh, dass es Veranstaltungen wie den CSD gibt, weil er nicht billiges “übersexualisiertes” Verhalten zur Schau stellt, sondern nur eines zeigt: Dass Menschen verschieden sind und das auch feiern dürfen.
Und von breiter Akzeptanz und Gleichberechtigung zu sprechen, scheint mir doch in großem Maße naiv, wenn man sich allein die Gesetzeslage anschaut, um mal von der sozialen Argumentation wegzukommen.
Deine Ansichten will ich dir auf gar keinen Fall abspenstig machen, du lebst deins und das ist zu respektieren, tolerieren, akzeptieren. Aber schließe bitte nicht von dir auf eine vermeintliche, real nicht existente Allgemeinheit.
Oktober 21st, 2009 - 12:51
die kommentare einiger vorredner sind an gruselfaktor kaum zu überbieten. ich glaube, niemand von euch gehört einer sozialen gruppe an, die ständigen diskriminierungen im alltag und im gesetz ausgesetzt ist. solange man aus einer gut situierten, weißen, heterosexuellen perspektive spricht, sollte man vllt. mal darüber nachdenken, woraus sich der anspruch ergibt, für andere sprechen und beurteilen zu können. vor allen dingen, was “normales” und richtiges verhalten angeht. kopfschütteln pur.
Oktober 25th, 2009 - 00:10
Oh, ich gehöre einer sozialen Gruppe an, die ständig Diskriminierungen ausgesetzt ist, darf ich dann mitreden?
Aber darum geht es doch genau: Wer sagt denn bitte, was “normales und richtiges Verhalten” ist? Vielleicht finde ich (gerne ein bisschen durchgeknallt) es völlig normal, wenn jemand (egal ob männnlich, weiblich, homo- oder heterosexuell) ein bisschen “over the top” ist. Trotzdem kann ich aber feststellen, dass Schwule in unserer Gesellschaft häufig nur darauf reduziert werden. Und wenn man eben als Schwuler genau so nicht ist und solch ein Verhalten selbst nervig und blöd findet, dann kann ich es sehr gut nachvollziehen, dass man sich über diese Pauschalisierung sehr ärgert. Egal, ob die jetzt von Schwulen auf dem CSD oder von heterosexuellen Medienmenschen betrieben wird.
Und dass das der Toleranz/Akzeptanz von Homosexualität nicht gerade förderlich ist, sehe ich auch als Fakt an. Und zur Normalisierung von unterschiedlichen sexuellen Orientierungen trägt es auch nicht grade bei.
Letztens erlebt: Mit schwulem Freund unterwegs gewesen, mit anderem Freund nach Hause gefahren, der hat nachher gesagt “Sag mal, bist du sicher, dass der schwul ist? Der sah gar nicht so aus!” Ach interessant, wie hat denn ein Schwuler auszusehen oder sich zu verhalten? Wie Ross Antony? Himmel hilf! Ich finde Ross Antony absolut lustig und niedlich, aber wenn ALLE Schwulen sich so benehmen würde, dann wäre Köln doch ziemlich laut und hektisch, das fänd ich auf die Dauer doch sehr anstrengend…
Und von einer Normalisierung sind wir noch genau so lange noch weit entfernt, wie man sich dafür interessiert, welche sexuelle Orientierung der Gesprächspartner hat (es sei denn, man ist an ihm/ihr interessiert oder umgekehrt
) Wozu sonst sollte einen das interessieren?
In Amerika hat letztens ein schwuler Sänger den zweiten Platz bei American Idol gemacht. Während der Staffel sind Fotos aufgetaucht, auf denen er seinen Exfreund geküsst hat. Das gab einen riesigen Wirbel in allen Medien, er selbst hat das aber während der Staffel einfach unkommentiert gelassen und lediglich gesagt, es ginge bei der Show um ihn als Musiker und um nichts anderes. Daraufhin wurde er von amerikanischen Schwulenverbänden und in Blogs (Oh mein Gott, man stelle sich vor, alle amerikanischen Schwulen wären wie Perez Hilton, der sich ja so gerne als deren absolutes Vorbild ausgibt *kotzwürg*) heftigst kritisiert. Warum? Weil er seine Popularität nicht dazu nutzte, mit seinem offiziellen Outing (was zu dem Zeitpunkt eigentlich nur für kleine, liebesblinde Teenagermädels wirklich nötig gewesen wäre) die amerikanischen Schwulenverbände zu unterstützen.
Ich kann gut verstehen, dass ein solcher Wirbel um die sexuelle Orientierung eines Sängers vielen Menschen sauer aufstößt. Und zur besseren Akzeptanz von Homosexualität im doch noch sehr homophoben Amerika trägt so ein Gehetze wirklich nicht bei.
Und jetzt wird er dafür kritisiert, dass er erotische Fotos mit einer Frau gemacht hat. Oh. Ja klar, erotische Fotos haben ja auch sonst immer so viel mit der Realität zu tun. Und heterosexuelle Männer dürfen Schwule spielen und entsprechende Fotos machen (Gale Harold, Hal Sparks etc. in Queer as Folk), aber wenn Schwule einen Heterosexuellen spielen, dann ist das falsch?
Also: Sowohl von Homosexuellen als auch von Heterosexuellen wird viel zu viel Pauschalisierung und Etikettierung betrieben. Und das wirkt sich negativ auf das Zusammenleben aus. Leider.