Scherzinfarkt Wie ich lernte, Sido zu mögen

Wie ich lernte, Sido zu mögen

Abgelegt unter Medien am 11. Oktober 2009 um 12:37 Uhr 6 Kommentare

Sido mit Burlington-Pullover bei Oliver Welke - voll krass!So sieht also ein Skandalrapper aus: Burlington-Pulli, randlose Brille, brave Frisur und ein fetter roter Gips. Irgendwie niedlich. Und sympathisch, das Bürschlein. Auch wenn er den Mund aufmacht und über seinen Unfall, bei dem er beim Überschlag mit dem Auto seinen Arm aus dem Wagen streckte, selbstironisch sagt: “Ich wollte mich abstützen!”. Der junge Mann ist Sido, der sich am Samstagabend bei der “TV Total Stockcar Crash Challenge” heftig verletzte – und ganz nebenbei sein Image als Rüpel-Rapper mehr ramponierte, als die Autos auf der Rennstrecke.

Als Skandalrapper hatte ich Paul Hartmut Würdig (so sein zum Burlington-Pulli passender bürgerlicher Name) nicht so stark wahrgenommen. Das war mal der Hampelmann, der nur mit einer Alu-Totenkopfmaske gerappt hat und dabei ein paar Leute angeprollt hat. Gangster? Pffft! Der Song “Mein Block” war doch schon nahezu niedlich heimatverbunden, “Fuffies im Club” irgendwie hilflos satirisch – und mehr Songs von Sido fallen mir ehrlich gesagt gar nicht ein (auch wenn bei Wikipedia noch ein “Arschficksong” gelistet ist – den habe ich aber nie gehört).

Sido (im gelben Auto) kracht mit Jürgen Milski zusammen - sein erster und einziger Unfall des Abends.

Sido (im gelben Auto) kracht mit Jürgen Milski zusammen - sein erster und einiger Unfall des Abends.

Schon am Tag vor der Bundestagswahl, als Sido sich von Politikern in der Sendung “Sido geht wählen” erklären ließ, warum er eigentlich wählen gehen soll, habe ich angefangen, Sympathien für den jungen Mann zu entwickeln, der doch eigentlich nur Musiker von Beruf ist. Dass man mit Provokation auffällt, haben seine Manager und Produzenten sicher auch erkannt und damals als Mittel zum Erfolg eingesetzt – aber Sido selber scheint kaum einer von der Sorte “Gangstaaaaa” zu sein. Die Abkürzung “Sido” steht für “Super-intelligentes Drogen-Opfer” – und vor allem den ersten Teil davon glaube ich Paul Hartmut mit dem Burlington-Pulli!

Der Auftritt bei der Stockcar Crash Challenge sorgte jetzt endgültig dafür, dass ich Sido mag. Und das, ohne seine Musik zu hören. Nur den Typen – der ist nämlich irrsinnig witzig. Wenn einer selbstironisch, offen und ehrlich ist, bekommt er meine Sympathien. Wie er da am Ende der Sendung als braves Bürschlein neben Oliver Welke stand war einfach herrlich.
“Irgendwie ist mein Anlageberater mehr Ghetto als Sido” twitterte @batstierleben während des Interviews – und traf den Nagel auf den Kopf!

Dass der angebliche Rüpel-Rapper dann noch “Das ist Kriiiiieg hier!” und “Hauptsache saufen!” ins Mikro rief, hat sein Image bei mir nicht unbedingt geändert. Witzig, augenzwinkernd, sympathisch. Ich mag den Kerl!

Wer sich Sidos Auftritt bei Oliver Welke nach dem Krankenhaus-Aufenthalt ansehen möchte, kann das hier tun › (etwa ab 23.30 Minuten).

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6 Kommentare:

  1. Mario L. sagt:

    Lieber Scherzinfarkt,

    nicht nur das du wahrscheinlich die Meinung von vielen anderen Fernsehzuschauern wiedergibst, nimmst du mir auch mein Thema über das ich heute vielleicht was schreiben wollte ;-)

    Ich mochte Sido vorher schon, daher hat der Auftritt gestern nix verändert. Nur meine Frau meinte “der ist zu brav geworden”.

    Ich finde: Wer über Ghetto, Probleme im Alltag und der Gesellschaft und Drogen rappt muss nicht unbedingt danach aussehen!

    Gruß

    @mario_koblenz

  2. Martin R sagt:

    Sido verkauft sich einfach gut. Ob nun als “Gangster mit Maske” oder als Burlington-Pullover-Träger. Er hat genau das erreicht, was die wenigsten schaffen, man redet über ihn und genau deswegen macht er Geld. Und Gangster-Rapper hin oder her, Sido hat es verstanden, dass er einen Bildungsauftrag hat und will von seinem alten Image weg, was er deutlich gezeigt hat, indem er die Wahlinfo-Sendung für Jugendliche gemacht hat. Bushido oder andere Rapper aus Deutschland hätte man unter keinen Umständen diesen Job machen lassen, weil den meisten die nötige Grundintelligenz fehlt (siehe Bushido usw.). Ach und Sido heißt mit bürgerlichen Namen Paul Hartmut Würdig oder alternativ Paul Würdig, aber nicht Paul Hardtmut. Schwach.

  3. Jan sagt:

    Ich kann diesem “Sido” überhaupt nichts abgewinnen. In der verlinkten Sendung gibt er keinen halbwegs und schon gar nicht super-intelligenten Kommentar von sich. Seine “Musik” ist der letzte Sch…rott und auf die Dauer unerträglich; ich kann ihn gar nicht als Musiker bezeichnen.

  4. Steili sagt:

    Ich finde Sido auch schon seit Längerem sympathisch. Mochte die Musik nie und fand das Auftreten mit der Maske früher einfach nur lächerlich, aber wenn man den Typen abseits seiner Musik sieht, ist es einfach ein relativ normaler, netter Mensch. Ganz sympathisch ist er mir heute geworden, als ich gelesen haben, dass er über Pro7 Popstars abgelästert und und verraten hat, dass der Jury mit einer von der Redaktion bedienten Ampel vorgeschrieben wird, welche Kandidaten weitergelassen werden und welche nicht. Stichwort: “Der Vater des Kandidaten hat Krebs, er kann zwar nicht singen – aber geile Story, also weiter!”

  5. Royal TS sagt:

    Sido ist kein Gangstaaa und das hat er auch nie behauptet. Er selber bezeichnet sich als Straßenjunge. Meiner Meinung nach ist er ein talentierter Kiffer der sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Er weiß wie man sich verkauft um aufsehen zu erregen. Früher als ihn noch keiner kannte waren seine Texte schon provokant und lustig. Den Arschf**ksong hat er für seine Leute als Jux geschrieben. Der wurde erst später bekannt. Den Gangstaaa haben die Medien aus ihm gemacht. Aber es hat funktioniert…

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