Ihr erinnert euch: Vor knapp einem Monat habe ich euch berichtet, dass ich mir ein neues Handy zugelegt habe: Das Palm Pre. Nun hatte ich das Gerät rund vier Wochen im Betrieb und kann ein erstes Fazit ziehen. In einem Satz: Es war genau die richtige Entscheidung! Denn was ich mit meinem Nokia 5800 XPress Music umständlich über den Webbrowser erledigen muss, kann ich hier mit den passenden Apps machen – und das ganz ohne iPhone!
Allem voran natürlich das Twittern! Für mich als Twitter-Freak ist es ein Genuss, endlich einen eigenen Client auf dem Handy zu haben. Ich nutze “Tweed” (siehe links) und bin sehr zufrieden damit. Die Timeline lässt sich schnell nachlesen, ich kann schnell eigene Tweets absetzen, Replies und Direct Messages lesen und sogar Follower entfolgen, blocken und so weiter. Nettes Gimmick, dass ich bislang aber noch nicht genutzt habe: Dank GPS-Empfänger kann ich mit einem Tastendruck meine Position in den Tweet einbauen: Eine tinyURL führt dann zu GoogleMaps.
Auch der Direktzugriff auf meine E-Mails dank Pre ist ein Riesenschritt nach vorne in meinem Zweipunktnulleben. Ich habe schon ganze Bahnfahrten ins Büro damit verbracht, Mails zu schreiben. Dank integriertem Mailprogramm geht das nämlich auch hier wesentlich schneller als früher mit dem Nokia, mit dem ich den Brwoser aufgerufen habe, zu GoogleMail gesurft bin, mich eingeloggt habe und dann langsam meine E-Mails bekommen habe.
Faszinierend am Palm Pre ist die Synchronisierungswütigkeit, die ich so vorher noch nicht kannte. Zu Betriebsbeginn muss man sich mit einem Google- (oder Yahoo-)Konto anmelden. Das Gerät zieht sich dann die kompletten Google-Kontakte ins Telefonbuch und alle Termine in den Kalender. Wenn man sich dann noch mit seinem Facebook-Account im Pre anmeldet (dafür gibt’s ne App!), zieht er auch die Facebook-Kontakte mit allen bei Facebook hinterlegten Daten (meist: Emailadresse und Geburtstag) ins Telefonbuch. Klingt praktisch, ist aber im Alltag eher nervig. Ich habe einige Facebook-Kontakte, die ich nicht persönlich kenne und auch nicht in meinem Telefonbuch haben will – daraus lassen sich Facebook-Kontakte aber nicht löschen. Die müssen dann schon bei Facebook selber eliminiert werden.

Ähnlich bekloppt geht das Pre aber auch mit Google-Kontakten um. Weil Google die Adresse jedes Empfängers speichert, den ich anschreibe (also auch die des Kundencenters meiner Bank und andere) landet jede Adresse auch in meinem Pre-Telefonbuch (also auch die des Kundencenters meiner Bank und andere).
Kommen wir lieber wieder zu positiven Punkten: Der Kalender beispielsweise ist sehr übersichtlich und synchronisiert sich wie gesagt praktischerweise mit meinem GoogleKalender. Erst gestern habe ich mir in meinem GoogleKalender einen Termin für eine Wohnungsbesichtigung angelegt, in den Bemerkungen habe ich Namen und Telefonnummer des Vermieters vermerkt. Das Pre hat sich die Daten gezogen und jetzt brauche ich in dem Termin nur noch auf die Telefonnummer zu tippen, um den Vermieter anzurufen.
Richtig genial finde ich die Suchfunktion. Ich kann mein Pre einfach aufschieben, über die Tastatur meinen Suchbegriff eingeben und das Pre fragt mich automatisch, ob es danach bei Google, GoogleMaps, Wikipedia oder sogar Twitter suchen soll (siehe links). Ich hab einmal wie der Ochs vorm Berg in der Stadt gestanden und ein Café gesucht, in dem ich verabredet war. Also: Pre rausgeholt, den Namen des Cafés und “Köln” eingegeben, auf Google Maps getippt – und schon sah ich, wo der Laden war und wo ich stand. Sauber!
Die Verwendung von GoogleMaps macht ohnehin Spaß. Der GPS-Empfänger im Handy übermittelt beim Programmstart automatisch die Position, die auf der Karte angezeigt wird und sich auch mitbewegt – verlaufen unmöglich! Satellitenansicht und Routenberechnung sind auch mit dabei – da kann GoogleMaps genausoviel wie die Internet-Version. Richtig interessant wird es dann aber mit einer App wie “Trapster”, die vor Geschwindigkeitskontrollen warnt: Sowohl Starenkästen, Rotlichtblitzen als auch beliebte Orte für mobile Kontrollen kennt das Programm und warnt während der Fahrt.
Trotz all der tollen Features muss man auch deutlich sagen, dass das Pre noch in drückenden Kinderschuhen steckt. Einige Selbstverständlichkeiten gibt es einfach noch nicht. Sei es die Möglichkeit, via Bluetooth Daten zu übertragen (Bluetooth hat das Pre, spielt aber nur mit Headsets und noch nicht mit Computern) oder eine Videofunktion. Auch die Fotokamera ist qualitativ eine Frechheit: Bilder sind total kröselig und unscharf, an Zoomen ist gar nicht erst zu denken. Da war ich vom Nokia sehr viel Besseres gewohnt. Aber: Für das kleine Twitpic unterwegs reichts…
Für manche Kunden richtig ärgerlich ist übrigens die Verarbeitung des Slider-Mechanismus. Wo andere Slider total bündig schließen, hat das Pre bei sehr vielen Exemplaren ziemliches Spiel, sodass sich der obere Teil auch schonmal millimeterweise nach rechts und links verschieben lässt (ohne Auswirkungen auf die Funktionalität!). Hier ist O2 aber sehr kulant und tauscht Geräte sehr schnell aus – man weiß um das Problem.
Auch der App Catalog ist bisher noch alles andere als reich gefüllt. Klar dass Apples App Store fürs iPhone nach über drei Jahren mehr zu bieten hat, aber wer die beiden direkt vergleichen will, muss sich auf eine Enttäuschung bei Palm gefasst machen. Dafür sind aber die Apps beim Pre bislang noch alle gratis. Darunter zum Beispiel eine App von wetter.com, eine von SpiegelOnline oder – für Fußball-Fans – eine von ran mit Bundesliga-Ticker.
Findige Fans haben auch schon eine Menge Patches und andere Apps programmiert, die man dann über Umwege bekommen kann (zum Beispiel über die alternativen, inoffiziellen Programme “Preload” und “Preware”). Hier verbergen sich dann meist die wirklich interessanten Dinge, weil sie von Usern für User gemacht wurden (zum Beispiel ein Patch, der die Kamera beim Druck auf die Lautstärketasten an der Seite auslöst, damit man nicht immer auf den Touchscreen patschen muss). Übrigens: Für Interessierte und für Pre-Besitzer ist das Pre-Forum bei Handy-FAQ ein guter Anlaufpunkt für Tipps und Ideen!
Fazit: Ich möchte mein Palm Pre trotz der Kinderkrankheiten nicht missen. Klar hat das Gerät auf manchen Gebieten noch nicht so viel drauf wie ein iPhone – aber dafür hat Apple auch drei Jahre Vorsprung. Und ich wollte einfach kein iPhone haben. Einerseits weil ich den Hype nicht mitmachen will und andererseits, weil ich schon seit ewigen Zeiten bei O2 bin und nicht zu T-Mobile wechseln konnte/wollte. Übrigens ist das Pre für jedermann zu haben – nicht nur für O2-Kunden. Kostenpunkt: 481 Euro (1 Euro Anzahlung und dann 24 Monatsraten á 20 Euro).

My Pre and me – ein erstes Fazit



[...] Nach knapp einem Monat habe ich meine Erfahrungen auch mal danieder gebloggt: http://www.scherzinfarkt.net/2009/11…-erstes-fazit/ [...]
Sehr interessanter Testbericht. Der bestätigt mich allerdings darin, das Palm Pre nicht haben zu wollen. Allein schon, weil ich mir dann zusätzlich zu meinen anderen geschätzt 8 Email-Adressen noch ein Googlemail-Konto anlegen müsste. Und als ich das Teil mal im Laden in der Hand hatte, fand ich die Tastatur wahnsinnig klein und fummelig. Wie sieht’s denn damit aus?
Ja, die Tastatur ist sehr klein. Aber dadurch, dass sie sehr knubbelig ist, lässt sie sich sehr gut bedienen. Mit der Tastatur habe ich weitaus weniger Probleme als mit der virtuellen QWERTZ-Tastatur auf dem Nokia 5800 XM.
Ich besitze ebenfalls einen Pre und bin sehr zufrieden. Habe auch viele Mailadressen udn ein GoogleMail-Account ist keine Pflicht, aber eben praktisch. Alle Mailadressen können auf dem Pre eingerichtet werden.
Da ich auch ein iPhone besessen habe, kann ich klare parallelen ziehen, wie ihr in meinem Posterous nachlesen könnt: http://derrolli.posterous.com/ An dieser Stelle werden andere Aspekte des Pre beleuchtet, sicher auch nicht uninteressant für Ein- bzw. Umsteiger.
Als alter Palm-Fanboy musste ich das webOS unbedingt testen, weil Palm auch früher schon tolle Betriebssysteme für mobile Geräte gemacht hat und ich wurde nicht enttäuscht.
Vielen Dank für den Bericht.
Ich bin weiterhin unsicher, ob ich zum Palm Pre wechsele oder Nokia treu bleibe.
Wer mich kennt, der weiss welch ein Apple-Fanboy ich bin.
Ohne MacBook würde ich das Haus nur selten verlassen. Und ohne iPhone NIE!
Nach meinem ersten iPhone (Classic) bin ich nun seit September glücklicher Besitzer eines iPhone 3GS. Nichts desto trotz war ich sehr gespannt, als Palm den Pre auf den Markt geworfen habe und hatte sogar schon vor dem “echten” Launch die Möglichkeit mit einem zu spielen.
Der Pre ist ein wirklich schickes Gerät. Sowohl was die Hard- als auch die Software angeht. Web OS wirkt sehr gut durchdacht. Die Bedienung ist intuitiv und die grafiken sind liebevoll gestaltet.
ABER: Das Pre teilt sich mit nahezu allen “iPhone-Konkurrenten” ein wirklich großes Problem. All diese “iPhone Killer” hinken, wie Florian schon schrieb, Jahre zurück.
Egal ob Samsung, Sony, oder eben Palm. Alle haben (so scheint es) erst mit der Entwicklung der “Next Generation Internet Devices” angefangen, als Apple das iPhone bereits marktreif hatte.
Und bisher hat es kein Anbieter auch nur annähernd geschafft, diesen Vorsprung einzuholen.
Das Pre ist ein tolles Handy. Und jeder Nutzer kann damit sicherlich sehr glücklich sein. Nur einen iPhone Nutzer wird es nicht überzeugen können.
Viele Grüße, Oliver
Hi Scherzinfarkt, alsi eins würde ich wirklich gerne klar stellen, das ist mir schon in deinem letzten Bericht aufgefallen!
Allgemein: Anwendungen gibt es für Nokia (das 5800 XM hat Symbian als Oberfläche) deutlich mehr als für das Palm Pre mit WebOS, das ist im Moment eine klare Sache!
Twitter: Ich nutze selbst auch sehr gerne und häufig Twitter auf dem Smartphone, für Symbian gibt es die beste Twitter-App von allen Oberflächen: Gravity. GPS-Position posten, Bilder automatisch zu Twitpic hochladen und posten, etc pp!
Mail: Der interne Mail-Client von Nokia kommt wunderbar mit GMail klar, autmatisches abrufen. auch dafür gibt es eine Profi-Anwendung namens Profi-Mail, mit so vielen Einstellungen, für mich das mobile Thunderbird!
Sync: Für Symbian gibt es natürlich auch eine offizielle Facebook app. “Leider” kann man die Kontakte nicht sync’en, aber da bin ich deiner Meinung, das braucht man nicht wirklich und dazu nutzen die Leute viel zu viele verschiedene Netzwerke. Andere Möglichkeiten wie Google Kalender oder Kontakte beherrscht das 5800 natürlich auch wunderbar.
Ich wünsche dir trotzdem viel Spaß mit dem Pre, wollte das nur mal erwähnen
Grüße
Oliver (@S60mobi)
Navigation: Hm, Google Maps gibt es auch
Eine schnelle Google-Suche kann man ebenfalls runterladen und dazu kommt noch, dass es für Symbian sogar vollwertige Navigationslösungen gibt, die einen MIT Sprache navigieren
Ich kann diesem Bericht nur zustimmen. Vorher hatte ich auch ein Nokia 5800 und bin benahe an der virtuellen Tastatur verzweifelt.
Beim Pre ist das wirklich anders, aber ich hoffe, dass das Handy noch ausbaufähig ist und dann deutlich zum iPhone aufholen kann.
Ich mag mein Pre
Hallo,
vielen Dank für den guten Bericht. Da ich in zwei Monaten auch meinen Vertrag bei o2 verlängern Muss/möchte, wollte ich dich fragen, wie es mit der Internetflat aussieht. Also du hast ja 200mb (Internetpack M) im Monat bevor es auf GPRS-Niveau runtergeht und da wollte ich dich fragen, ob du die 200 MB voll bekommst?
Liebe Grüße und einen schönen Weihnachtsfeiertag, andi
In den zwei Monaten, die ich das Gerät nun habe: Nein. Für mich reichen die 200 MB bislang voll aus. Für ein wenig twittern von unterwegs, E-Mails checken und hin und wieder (alle 2 Tage etwa) Bilder vermailen.
@ Florian Meyer
Habe bis jetzt das E71, ein sagenhafter Akku. Bei täglichen ca. 10 SMS und 10Min Anrufen die Woche hält der Akku min 8 Tage.
Wie siehts denn mit dem Pre aus? Da ich öfters mal Zeit habe das Internet zu nutzen, wollte ich fragen wie lange der Akku bei ca.10 täglichen SMS so hält. Ist es wirklich so extrem das man jeden Tag laden muss?
cu, schonmal danke für deine antwort
Hi, Jose,
es kommt stark drauf an. Bei “normaler Benutzung” (nur ein paar SMS am Tag und vielleicht ein kurzes Telefonat) hält der Akku sicher auch mal zwei Tage. Aber ich lade immer recht schnell auf, weil ich Angst habe, irgendwann mal ohne Saft dazustehen. Ich Nerd….