Scherzinfarkt Hilfe, die Realität!

Hilfe, die Realität!

Abgelegt unter ZweiPunktNull am 23. Februar 2010 um 17:13 Uhr 9 Kommentare

Die Angst geht um in Deutschland: Dieser Tage liest man immer wieder von kleinen Städten, die den Aufstand gegen ihre endgültige Vernichtung die Schändung der Privatsphäre proben. Denn sie wollen sich nicht vom bösen großen Monster aus dem Internet kaputtmachen lassen. Die Rede ist von Google Streetview. Denn wie wir alle wissen, fährt dieser Internetkonzern mit den bunten Buchstaben im Logo mit Autos durch die Weltgeschichte und spioniert uns alle aus.

Heute habe ich im Radio eine Reportage aus Kreuzau bei Düren gehört. Der Ort, vertreten durch seinen Bürgermeister, will sich gegen die Knipserei von Google wehren und würde auf den Google-Karten am Liebsten als schwarzer Punkt erscheinen. Zu groß ist die Angst vor der Verletzung der Privatsphäre.

Mal im Ernst, Leute – was genau ist denn bitte da die Verletzung der Privatsphäre? Google fotografiert Straßen und Häuser und baut die Bilder zusammen. Es entsteht ein Abbild der Realität – mehr nicht. Niemand marschiert in eure Häuser, keiner knipst eure Schlafzimmer! Menschen und Autos werden unkenntlich gemacht. Aber selbst wenn nicht – wo ist das Problem? Okay – ich möchte vielleicht nicht fotografiert werden, wenn ich gerade aus einem Puff komme oder wie ich auf offener Straße jemanden verdresche. Aber wie oft kommt das schon vor? Bei mir nie.

Jedermann kann theoretisch das machen, was Google macht: Eine Kamera zücken, Bilder der Umgebung machen und diese Bilder zusammenbauen. Dann kann er sie auf seiner Website anbieten – warum auch nicht? Aber jedermann hat eben nicht die Voraussetzungen, solch ein Projekt zu stemmen. Sowas kann nur Google, der böse Feind aus dem Internet.

Wenn Streetview dann irgendwann mal auch mit Bildern von Deutschland ausgestattet wird (und das wird es sicher), freuen sich sicher wieder alle. Denn wer weiß die Vorteile von Google Maps und Co. nicht zu schätzen? Und so werden sich die Leute, die heute Angst vor dem Tod ihrer Privatsphäre haben, in einiger Zeit bei Streetview virtuell durch die Straßen ihrer Heimatstadt stromern und in Erinnerungen schwelgen. Oder sie erkunden den Urlaubsort schon zwei Wochen vor den großen Ferien und planen den Weg zum Bäcker. Oder aber sie lassen sich einfach treiben und freuen sich darüber, dass man die “große weite Welt” heute erkunden kann, ohne den Schreibtisch zu verlassen.

Google Streetview ist nur ein weiterer Entwicklungsschritt. Es werden sicher weitere folgen. Es wird sicher wieder Aufschreie geben. Aber Entwicklungen lassen sich eben nicht verhindern – vor allem nicht mit solch albernen Argumenten!

Übrigens: Für Köln gibt es schon sowas wie Streetview in klein: Beim Bilderbuch Köln › gibt es Fotos aus nahezu jeder kölschen Straße – Reinklicken empfohlen!

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9 Kommentare:

  1. “Okay – ich möchte vielleicht nicht fotografiert werden, wenn ich gerade aus einem Puff komme oder wie ich auf offener Straße jemanden verdresche. Aber wie oft kommt das schon vor? Bei mir nie.” – Diese Haltung finde ich gefährlich. Mit dem selben Argument kann man auch Onlinedurchsuchung und Videoüberwachung rechtfertigen. “Ich hab ja nichts zu verbergen!”. Nun ja, ich schon.

  2. torschtl sagt:

    Streetview wäre ja generell kein Problem, wenn man nicht immer wieder Aufnahmen des Streetview Autos sehen würde, auf dem gerade jemand unter einer Brücke eine Prostituierte durchnimmt oder man ziemlich hochauflösend sieht, wie sich gerade Hans Mustermann in eindeutiger Absicht auf dem Straßenstrich umsieht.

    Nicht, dass ich in dieser Hinsicht Angst hätte erwischt zu werden, aber problematisch ist das, meiner Meinung nach, schon.

  3. Rwalker sagt:

    Köln scheint ja schon fast 3.0 zu sein. Bilderbuch kannte ich noch nicht. Als Streetview-Fan war mir aber die steuergeldbezahlte Version http://www.sightwalk.de bekannt. Und jeder der sein Haus aus streetview rausnimmt, wird halt von Fremden fotografiert und auf http://www.bing.com/maps/explore/ hochgeladen (Stichwort: Photosynt)

  4. Flo sagt:

    Ach übrigens, guck(t) mal hier
    http://sightwalk.de

  5. Christopher sagt:

    also ich mein wenn man Kennzeichen der Fahrzeuge und die Gesichter der Menschen pixelt geht das glaub ich schon. Und ich glaub nicht das irgend eine terroristische Organisation Google Maps nutzt um Anschläge zu planen.

  6. randberliner BAR sagt:

    Großstädte sind dabei wohl relativ unproblematisch, die sind ohnehin fast alles anonym ist.
    Das Problem ist auch nicht, eventuelle “Verfehlungen” von deiner Seite anonym zu halten. Interessiert wahrscheinlich eh niemanden.

    Wenn man in ländlicher Gegend keine Stunde von der Grenze nach PL entfernt ist und mehr als 1 Einbruchserie mit bis zu 20 innerhalb mehrerer Wochen im Ort passiert sind, mag man die flächendeckende Erfassung anders sehen. Dann sind es keine Zufallstreffer mehr, wie in der Vergangenheit sondern gezielt geplante “Zugriffe” möglich.
    Aus 3 bis 3,50m Höhe ist nicht nur OG, auch gesamte Grundstücke einsehbar, nicht nur Str und Fassade.

    Es reicht völlig aus, was als Luftbild zu sehen ist, dagegen gibt es keine Einwände.

    Bis auf touristisch interessante Gebiete gibt es wohl kaum eine schlüssige Begründung, z.B. auch reine Wohngebiete im ländlichen Bereich per Streetview zu erfassen. Niemand hat einen realen Nutzen davon, lediglich die Gefahren und nachweislich die Versicherungsprämien steigen.

    Nach meiner Meinung ist es in diesen Fällen Beihilfe oder Begünstigung von Straftaten.

    Wenn du das als albern empfindest…es steht dir frei.

  7. Bingo bongo sagt:

    “Oder aber sie lassen sich einfach treiben und freuen sich darüber, dass man die “große weite Welt” heute erkunden kann, ohne den Schreibtisch zu verlassen.”

    Alter, du bist so ein FREAK!

  8. Witzige Geschichte: Ich habe mal mit meiner PSP an einem fremden Ort nach WLAN gesucht. Auf einmal kommt ein Typ aus einem Haus und macht Fotos von mir. Ich frage ihn warum und er: “Wenn du hier Fotos machst, um einen Einbruch zu planen, dann habe ich Beweise!”. Ich demke mir: WTF?!?! Und mach wirklich Fotos.

    Also manche Leute haben echt ein Problem mit dem 21. Jahrhundert!

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