Tagtäglich tummele ich mich mit tausenden Anderen bei Twitter. Manchmal posten wir interessante Links oder verbreiten eine Neuigkeit. Die meiste Zeit veröffentlichen wir aber mittelgute Witze, platte Sprüche und vermeintlich lustige Alltagssituationen. Und dann passiert so etwas wie gestern: Bei einer als fröhlichen Feier geplanten Großveranstaltung mitten in Deutschland bricht eine Massenpanik aus, Menschen sterben inmitten von über einer Million Feiernden. Und plötzlich ist alles anders.
Ich saß gestern Abend mit Freunden bei einem Bierchen zusammen, als wir es erfuhren. 15 Tote, hieß es zu dem Zeitpunkt. Erstmal ein Schock. Dann erwachte der Newsjunkie in mir und ich wollte mehr zu der Tragödie erfahren. Anlaufstelle Nummer eins: Twitter. Denn im Katastrophenfall – und das gestern war ein Katastrophenfall – bietet dieses Netzwerk ungeheures Potenzial, wenn es darum geht, Nachrichten schnell, prägnant und weit zu verbreiten.
Ein Drama, wie es sich gestern in Duisburg abgespielt hat, verändert alles. Und ich finde, es sollte auch bei Twitter alles verändern. Und das tat es auch zum Teil: Ich las Tweets, in denen besorgte Angehörige nach Menschen fragten, die zur Loveparade gefahren waren, ich las mehrfach die Nummer der Hotline für Betroffene, ich las mehrere Posts darüber, dass schon im Vorfeld gewarnt, dass der Tunnel eine Todesfalle sei. Genau das waren die Sachen, die ich lesen wollte. Und ich denke, das ist das unheimliche Potenzial, das Twitter im Katastrophenfall hat: Die schnelle Vernetzung, das blanke Weiterleiten von Informationen, die aktuell von Belang sind.
Aber ich las auch anderes. Morbide Witze haben sich die meisten in den Stunden nach dem Drama zum Glück verbissen. Aber unzählige Male musste ich “Ich bin geschockt” oder “Ach du Schreck, das ist krass” lesen. Liebe Leute: Auch wenn ich im Alltag gerne lese, was euch bewegt und was euch auf dem Herzen liegt: In einem solchen Falle will ich es nicht lesen! In einem solchen Fall sollte man einfach nur “die Leitung freihalten” und die Timeline nicht mit unnötigem Kram füllen, damit der Informationsfluss weiter läuft. Oder deutlicher: In so einer Situation: Einfach mal Fresse halten!
Als ich von der Tragödie bei der Loveparade das erste Mal las, dachte ich auch sofort “Was twitterst du denn nun?” – einfach, weil es bei mir inzwischen so im Blut steckt, ein Ereignis, das alle betrifft, sofort zu kommentieren. Aber schnell wurde mir klar: »Nein, jetzt twitterst du nichts. Du kannst nicht helfen, du kannst nichts beitragen, du hältst dich zurück.« So kam es, dass ich lediglich einmal die Nummer der Angehörigen-Hotline gepostet habe und sonst zur Tragödie auf der Loveparade geschwiegen habe.
Auch heute, am Morgen danach, wo inzwischen die Zahl der Toten auf 19 gestiegen ist, wüsste ich auch nicht, was ich dazu bitte sagen soll. Dass das ein Desaster war? Das weiß doch jeder. Dass die Schuldigen an den Eiern aufgehangen werden müssten? Nichts ist so selbstverständlich wie das. Eine Katastrophe wie diese muss nicht kommentiert werden. Manchmal muss man zu einem Thema auch mal schweigen. Vor allem in den ersten Stunden, wenn schnelle Hilfe und schnelle Information wichtig ist…

Twitter im Katastrophenfall



Bravo, so isses! Hatte gestern Abend genau die gleichen Gedanken, vor allem diesen “Was schreibst du denn dazu?”. Und wie du bin ich zu dem Entschluss gelangt, einfach mal die Fresse zu halten. Von daher ein großes “Thumbs Up” und mein Facebook-Like.
Grüße,
Stephan
Ist es nicht ein wenig zu viel verlangt, den Leuten “vorzuschreiben” wann sie was zu twittern haben?
Wenn jemand schreibt, er wäre geschockt, dann ist das doch deren gutes Recht. Ob nun angebracht ist oder nicht, sei dahingestellt, aber sich darüber zu beschweren? Ich bitte dich.
Du magst dich zb bei Twitter mit Kommentaren zur Katastrophe zurückgehalten haben, aber nun zeigst du mit dem Finger in diesem Blog auf die Leute, die aus welchen Gründen auch immer, sich einfach äußern wollten.
Würde es dir gefallen, wenn man dir nun “Halt die Fresse” entgegen werfen würde?
Vorschreiben will ich niemandem was. Nur zum Denken anregen. Und mir eine bestimmt Verhaltensweise wünschen.
Eine bestimmte Verhaltensweise haben sich sicherlich auch die Verantwortlichen der Loveparade von den Besuchern gewünscht, damit deren fragwürdiges Sicherheitskonzept aufgeht.
Nur funktioniert nur so was in der Theorie und nicht in der Praxis. Leider
Interessante Meinung, auch wenn ich das etwas anders sehe.
“In einem solchen Fall sollte man einfach nur “die Leitung freihalten” und die Timeline nicht mit unnötigem Kram füllen, damit der Informationsfluss weiter läuft.” halte ich sogar für kruden Unsinn, denn Twitter ist keine Notfallsäule, kein Notfalltelefon. Twitter bleibt auch in solch einem Fall “Entertainment” und ein Weg, um sich darzustellen und Position zu beziehen.
Ganz im Gegenteil halte ich “Suche Kevin, er wird auf der Loveparade vermisst” für großen Mist – bitte, wer glaubt denn, dass durch 100 RTs dieser Nachricht irgendwie geholfen wird?
Und warum ich bei Twitter keine Empathie oder keinen “Schock” zum Ausdruck bringen kann, verstehe ich auch nicht.
Naja, ist nur meine Sichtweise. Es darf ja jeder halten, wie er mag.
Das sehe ich anders. Twitter ist kein Nachrichten-Kanal. Hier muss auch Raum für das sein, was Dir – wie mir im übrigen auch – unpassend erscheint. Und wenn es nur belanglose Gefühlsausbrüche sind. In anderen Fällen ist das ja auch der große Vorteil von Twitter.
http://twitter.com/FrankWallitzek
Vielleicht um das nochmal ein wenig klarer zu machen: Es geht mir vor allem um die ersten Stunden nach der Katastrophe. Dass man sich heute über die Starrköpfigkeit und die unfassbare Ignoranz von Veranstalter und Politik aufregt, ist vollkommen klar.
[...] This post was mentioned on Twitter by Ein Online-Redakteur, C. M., Maxxxxx, Davide, Gabriele and others. Gabriele said: RT @Scherzinfarkt: "Twitter im Katastrophenfall" – warum Schweigen manchmal einfach angebracht ist: http://bit.ly/9923SI [...]
Das unterschreib ich so…
Ich finde deine Gedankenanregung richtig und gut, wenngleich ich denke, dass sich das nicht durchsetzen wird. Ich hoffe ohehin, dass es nicht mehr so häufig Situationen geben wird, in denen man sich genau solche Gedanken machen muss.
Für mich ist/war Twitter immer auch ein Medium, um Informationen zu verbreiten, neben all dem alltäglichen witzigen oder weniger witzigen Geschreibsel von uns allen. Ich denke das all jene die twitterten eben dem Impuls, den du selbst hattest, folgten und schrieben. “Verurteilen” würde ich das auch nicht. Ich denke, es ist einfach nur allzu menschlich. Ich hab dich aber auch nicht so verstanden – das dein “Einfach mal Fresse halten” etwas massiv daher kommt ist schon ok, sonst würde ja keiner innehalten, wenn du säuselnd bittest.
Doch genug – just my two cents
Hi,
in der Tat ein sehr kritisches und nachdenkliches Thema. In weiten zügen gebe ich dir Recht. Es gibt Momente da muss man einfach mla die Fresse halten. Das ist vor allem dann der Fall, wenn doofe Witze aller “Selbst schuld und habt ihr nicht anders verdient” kommen. Aber das ist der Nachteil von Twitter, diese Kommentare bekommt man immer wieder. Ein dummer witz, eine ernsthafte Meinung, schnell gesagt und doch unpassend. Ja man kann meiner Meinung nach auch über seine Gefühle schreiben, das ist für viele oft der einzige Weg es rauszulassen, aber es sollte wohl dosiert sein. 120 mal retweeten, was ein anderer über seine Gefühlslage schreibt nervt. Die Möglichkeit Angehörige so zu suchen ist toll, aber ich glaube da ist viel fake unterwegs, das ist eben wieder so ein Problem das man nicht vermeiden kann. Was man an so Ereignissen auch sieht, es müssten mehr offizielle Stellen (Behörden, Rettungseinheiten usw.) Twittern. Im ersten Moment ist das vielleicht krotesk, aber bei genauerer Betrachtung genau das Richtige. Viele Enten, Panikmeldungen usw. würden in kurzer Zeit runtergeschraubt werden können. Denn auch das ist ein Twitterproblem, die Leute schreiben oft ohne sinn und verstand und machen die Situation oft noch schlimmer. Twitter sollte keine Notrufsäule sein. Es ist ein schnelles Infomedium, das man vernünftig nutzen soltle. Twitter ist irgendwie die moderne Form des Gaffens. Man ist dabei, kann seine Meinung äußern, erst mal alle Arbeit schlecht machen und es immer besser wissen, und das von zu Hause aus.
Ich wünsche uns einen Sonntag ohne weitere Todesmeldungen aus Duisburg, eine Aufklärung der Tatsachen und eine Aufarbeitung des Dramas. Ich hoffe Twitter erspart uns heute dumme Witze, besserwissende Kommentare und gefakte Meldungen. Die Menschen die trauern wollen, sollen es in Ruhe tun können. Einen Leisen, nachdenklichen Sonntag euch allen.
Nela
Hä? Twitter ist ein Medium, in dem Menschen primär in Kurzform mitteilen, was sie erleben, denken und fühlen. DAS ist die Uridee des Twitterns.
Twitter ist eben KEIN Informationsdienst und wer Twitter dazu nutzt, hat es schön schwer Emotion von Relevanz oder Realität aus 140 Zeichen zu differenzieren. (Wer tut sich so etwas überhaupt an?) Twitter ist nur zum Austausch. Und es werden natürlich überhaupt keine Ressourcen für irgendetwas eingespart, wenn man sein Tweet nicht absetzt, egal wie relevant das andere finden mögen oder nicht.
Und doch! Eine Katastrophe wie diese gehört kommentiert! Es gehen mit Verlaub, das mag Ihnen nicht bewusst sein, eine Menge Menschen sehr differenziert mit Katastrophen um und ein jeder hat das Recht dazu es auf seine Weise zu tun. Manche tun das mit kurzen Sinn leeren Statements. Manche mit Betroffenheit. Manche mit dem dringenden Wunsch nach Informationsaufsaugung. Manche mit einer Tendenz zur Vorverurteilung. Manche mit Zynismus.
Aber ein jeder von ihnen hat für sich recht und hat für sich das Recht es so zu tun, wie ihm die Bewältigung der Neuigkeit einer solchen Katastrophe möglich ist. Und Twitter ist genau als Medium geschaffen worden, dieses den Menschen in 140 Zeichen zu ermöglichen.
Du hast meiner Meinung nach Recht und Unrecht. Man muss nicht zu allem etwas sagen, vor allem nicht, wenn alles gesagt ist. Das Fernsehen brachte nichts anderes außer der Berichterstattung vom Unfallort, alle wichtigen Nachrichtenseiten stellten ihre Startseiten um, um möglichst viele Leser zu fangen, kurz: es wusste einfach jeder. Und auch wusste jeder, dass es vermutlich nur ganz wenige Menschen gibt, die eine solche Katastrophe nicht erschüttert.
Betroffenheitstweets haben für mich etwas sehr gequältes. Was sag ich denn nun? Irgendwas muss ich doch dazu sagen…
Andererseits halte ich die Idee von Twitter als Notrufkanal für Blödsinn. Twitter ist nunmal kein Notfallchat oder eine Hilfsplattform, sondern ein Microbloggingdienst, auf dem sich jeder User mehr oder weniger selbst darstellt. und zwar genau so wie er es will. Und das ändert sich auch nicht wirklich im Katastrophenfall. Für kanalisierte Hilfe gibt es andere Wege.
Es ist ein Witz, dass gerade du so etwas schreibst. Jemand der sich über jeden Kekskrümel lustig macht und wirklich jede Situation in den Dreck zieht. Dieser Blog, der anscheinend nur versucht, deine “Seriosität” zu wahren, hilft da auch kein Stück weiter, auch wenn es gut gemeint ist.
Vielleicht solltest du mal darüber nachdenken, in manchen Situationen einfach mal die Fresse zu halten. Es täte uns allen nur gut.
Also, Daniel, den Unterschied solltest du aber sehen, zwischen jedem “Kekskrümel”, aus dem ich eine Pointe mache und einer Katastrophe mit 19 Toten bei einem friedlichen Volksfest, oder?
Prima, du hast es nicht verstanden.
Deshalb hier nochmal erklärend: entweder du bleibst der Clown mit den dummen Sprüchen, den du uns über Twitter zur Genüge darbietest, oder du fährst ausschließlich die seriöse Schiene wie hier in deinem Blog, in dem du ab und zu mal ganz akzeptable Artikel und Meinungen veröffentlichst. Aber beides passt einfach nicht zusammen, und somit kann man weder den Twitterclown noch den Blogger wirklich ernst nehmen.
Es ist mir bis heute unergründlich, wie man so zweigleisig fahren kann. Aber wahrscheinlich braucht man genau diese Mischung, ob bei deinem Arbeitgeber überhaupt eingestellt zu werden …
Was soll das denn bitte, Daniel?
Ich bin ein ganz normaler Mensch. manchmal habe ich gute Laune und mache Witze (nicht nur manchmal, sondern meistens), aber manchmal mache ich mir auch ernsthafte Gedanken und lege sie in Textform nieder. Was hat das denn damit zu tun, unglaubwürdig zu sein? Das Leben und jeder Mensch hat verschiedene Facetten. Ich bin nicht im Internet als Comedian angestellt und ich bin kein Kommentator für seriöse Themen. Ich bin ein Mensch wie jeder andere, mit allen Seiten, die man so als Mensch hat. Mal ernst, mal lustig – und das willst du mir nun vorwerfen?
Das kommt auf den Anspruch an, den einzelne an Twitter haben. Für manche ist das öffentlicher Chat, IM, E-Mail (so ein bißchen vielleicht wie IRC oder Usenet früher), wo man mit Freunden und Bekannten über Alltägliches ein Schwätzchen hält.
Für andere ist es mehr ein “ernsthaftes” Nachrichtenmedium.
Es ist schwierig, zwischen den beiden zu trennen. Die erste Gruppe wird ja auch in der Suche angezeigt, selbst wenn man denen nicht folgt (sondern nur der zweiten Gruppe).
Für mich war das schlechte Signal/Noise-Verhältnis bei Twitter ein Grund, es nach einer Weile nicht mehr zu nutzen. Es hilft auch nicht, nur ausgewählten Leuten zu folgen, weil auch von denen jede Menge (für mich) uninteressante Tweets kommen und bei bestimmten Ereignissen eben die Twittersuche mit Kommentaren der Gruppe 1 überflutet wird.
ich sehe das genauso , ich wusste gar nicht was ich schreiben sollte, fand es auch doof immer wieder zu twittern wie geschockt ich war, deswegen entschied ich mich zu twittern dass ich nicht mehr groß was zu schreiben werde…letztendlich twitterte ich gestern abend generell nicht mehr viel , lust war vergangen …ich fand es okay, dass menschen suchtweets weitergaben und auch infos wenn es einem gut ging der da war. aber diese ewigen öffentlichen trauertweets fand ich dann auch irgendwann ziemlich nervig…
natürlich muss jeder selber wissen wie er damit umgeht, ich zb habe lieber mit meinem mann drüber gesprochen , fand es passender …mit jemanden zu reden der neben mir saß …
lg sandra
Ich möchte hier nur darauf hinweisen, dass Twitter KEIN Nachrichtendienst ist. Hier kann jeder twittern, wann und was er will. Auch wenn ich den Grundgedanken des Artikels durchaus nachvollziehen kann, kannst du nicht erwarten, dass jeder im Falle einer solchen Katastrophe plötzlich aufhört zu twittern, weil er nichts dazu beitragen kann. Wenn du nur Nachrichten rund um die Loveparade-Katastrophe haben wolltest, dann ist Twitter eben NICHT das richige Medium für diesen Anspruch.
Volle Zustimmung. Erinnerte mich an die Kommentare im Netz, als in Göttingen die Entschärfung einer WWII-Bombe fehlschlug.
@creezy: Twitter ist kein Informationsdienst? Ursprünglich? Eine der schnellsten neuen Nachrichtenagenturen ist überhaupt erst durch Twitter entstanden: http://twitter.com/BreakingNews Kurze sachliche Hinweise zum aktuellen Geschehen in der Welt auf den Punkt gebracht. Das Konzept wurde so schnell so groß inkl. Whistleblower-Stories, daß die Agentur (leider) vor kurzem von msnnbc aufgekauft wurde.
… Danke. Den Kern “Einfach mal ruhig sein” triffst Du ziemlich gut.
Mich hat Twitter gestern genervt. So wie jedes Mal, wenn dramatische (Groß-)Ereignisse stattfinden. Ich hab keine Lust, die ganzen Betroffenheitstweets zu lesen und auch nicht auf diese “Alle ins Lager!”-Vorverurteilungen.
Jeder dieser Tweets ist irgendwie überflüssig. Nicht, weil Twitter eine empathiefreie Zone sein soll, sondern weil sich niemand im realen Leben auf den Dorfplatz stellt und rumbrüllt “Gott, tut mir das alles leid!” Warum also muss online sowas sein?
Nun benehmen sich Menschen online anders, als auf dem Dorfplatz, so dass das “Massenmedium” Twitter in solchen Situationen quasi nicht nutzbar ist. Und weil das so ist, hilft erstmal nur eins: Twitter ausmachen und irgendwo anders informieren. Oder es lassen.
An nem Artikel zum Unglück auf der Loveparade den Gefällt mir-Button zu sehen, ist irgendwie makaber oÔ
Warum sollte man über Twitter nicht darüber sprechen? Dafür ist Twitter doch da? Und stell dir vor, keiner hätte darüber gesprochen? Wäre das nicht auch merkwürdig gewesen? Und vor allem ignorant?
Wenn mich etwas beschäftigt, kommentiere ich das bei Twitter. Als bei einem WM-Spiel hier ein Unwetter tobte, habe ich dazu Tweets verfasst. Als ich geheiratet habe, habe ich im Vorfeld meine Gedanken und meine Problemchen, die sich in der Organisation ergaben, beschrieben. Als die letzte DSDS-Staffel lief, habe ich über die Sendung gelästert. Und so weiter, und so fort. Warum sollte ich dann auch nicht schreiben, wie traurig und wütend ich über die Ereignisse der gestrigen Loveparade bin? Denn das ist es, was mich gestern Abend sehr beschäftigt hat.
Es ist so albern, jemandem Vorschriften machen zu wollen, wozu er sich im Social Web äußert. Wen meine Tweets nicht interessieren, soll sie eben nicht abonnieren oder Twitter einfach mal ausschalten. Wenn ich in auf einer Party in einer Gruppe Leute stehe, deren Gespräch in eine Richtung entwickelt, die mir aus diversen Gründen nicht passt kann ich doch auch einfach woanders hingehen?
Du warst gestern Abend auf ner anscheinend recht lustigen Geburtstagsparty und hast auch ein paar typische Party-Pics gepostet. Mal ehrlich, wie viele Leute haben dir gestern geschrieben oder sich heimlich gedacht, wie pietätlos, wie kann man Party machen, wenn andere Menschen sterben und sich in unserer Generation eine solche Tragödie abspielt? Mir ist das egal! Ich habe schließlich auch gestern Abend „Elton vs. Simon” gesehen und über Sexspielchen gelacht. Ich würde jemandem nie vorwerfen, dass „man” das in so einer Situation nicht machen „darf”. Denn du hast uns damit einen Einblick in dein Leben gezeigt und das ist auch der Sinn und Zweck deiner Tweets.
Völliger Quatsch. Wenn dich Twitter nervt, dann mach’s aus. Twitter ist kein Informationsmedium. Twitter ist auch kein Notfallmedium. Twitter ist schlicht und einfach eine möglichkeit, der Welt seine unmaßgebliche Meinung mitzuteilen. Und die besteht nunmal in Beileidsbekundungen, in znischen Witzen und allem möglichen anderen Kram. Wenn du Informationen willst, guck Fernsehen oder ruf die Notfalltelefonnummern an. Wer Twitter als geeignetes Medium zur Verbreitung von Nachrichten ansieht, hat ein Rad ab.
Ich erinnere mich an eine Zeit, als Twitter als Microblog gesehen wurde: Jeder hat geschrieben was ihn interessiert – subjektiv und emotional. Die Tweets sahen nur Freunde, Interessierte oder Personen die gezielt nach dem Thema suchten. War ein Thema interessant wurde es retweetet und die Chance, dass viele Leute es sehen stieg – wurde es nicht retweetet interessierte es auch offensichtlich niemanden. Wer objektive, klar strukturierte Nachrichten wollte besuchte entsprechende Webseiten oder folgte darauf spezialisierten Twitter-Usern. Ehrlich gesagt habe ich das Ende dieser Zeit auch noch nicht erkannt: Natürlich flog die ein oder andere Gefühlsäußerung durch die Timeline, aber “wichtige” Themen wie die Hotlinenummer, Webseite mit Suchmeldungen und Fotos/Videos von Augenzeugen sind – jedenfalls bei mir – entsprechend prominent und zeitnah angekommen.
Einfach mal die Fresse halten -.-
Wie Recht hast du. Ich habe selber viel Müll geretweetet. Aber das merkt man in den ersten Minuten nicht. Man hilft keinem damit, aber schaden auch nicht.
Twitter ist unwahrscheinlich schnell und faszinierend, sodass ich darüber eine Facharbeit geschrieben habe.
raphaa
[...] Doch? Zumindest ein lebender Beweis für “Twitter als Nachrichtendienst” findet sich im privaten Blog eines Onlineredakteurs einer großen deutschen Boulevardzeitung, deren Namen ich hier nicht nennen werde. Ich persönlich [...]