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Eigentlich sollte man sich ja nicht aufregen. Man könnte einfach schön zuschauen, wie sich die Post mit der Zeit selber zu Grunde richtet. Aber einiges ist einfach zu ärgerlich, um es zu ignorieren.
Anscheinend hat man bei der Post noch immer nicht begriffen, dass die goldenen Zeit von einst vorbei sind. Nein, es gibt kein Monopol mehr. Nein, ihr seid nicht mehr die einzigen Zusteller und ihr seid auch nicht mehr staatlich, liebe Postler. Und doch benehmt ihr euch manchmal so.
Im Grunde lebt die Deutsche Post noch immer von den Zeiten, als sie staatlich und mit Monopol ausgestattet war. Ein neues Unternehmen am Markt würde sich niemals etablieren, wenn es so arbeiten würde, wie die Post heute arbeitet. Aber nein – wer mal staatlich war, bei dem ticken die Uhren des Wechsels wohl was langsamer.
Ich rege mich ja schon länger über diesen gelben Konzern auf. Dass die Jungs immer mehr Filialen dicht machen und dafür Post-Schalter in Kioske integrieren – geschenkt! Alle müssen sparen, da ist das dann vielleicht auch ne gute Maßnahme. Dass aber die letzten verbliebenen Filialen jeden Tag bis zu zwei Stunden Mittagspause machen, ist ein unfassbares Relikt aus den siebziger Jahren. Liebe Leute, es ist das 21. Jahrhundert – wo gibt’s denn bitte noch Mittagspausen?
Die Liste an Post-Aufregern (Stichwort: “Haben Sie eigentlich schon unseren günstigen Strom?”) ist nun also um einen Punkt gewachsen: Die E-Post. Das neue Produkt ist im Prinzip nichts anderes als eine E-Mail – allerdings besser verschlüsselt und mit einer gesicherten Identität. Eigentlich ein Fortschritt – endlich muss man für Behördenkram nicht mehr zum gelben Kasten laufen. Aber im Gegensatz zu anderen Unternehmen, die mit De-Mail ein ähnliches System starten, langt man bei der Post ordentlich zu: 55 Cent wollen die Gelbmänner für einen E-Brief haben. Da kann man sich doch nur an den Kopf fassen, bei so viel Arroganz.
Wenn der Hybrid-Brief (ich maile den Brief, die Post druckt ihn aus, tütet ihn ein und stellt ihn zu) mich 55 Cent kosten würde – das würde ich verstehen. Aber nein: Auch der reine E-Brief kostet diese 55 Cent, die mich schon seit ewigen Zeiten der reale Brief kostet. Für eine komplett virtuelle Leistung, die die Post nichts kostet (außer vielleicht Entwicklungs- und Serverwartungskosten) soll ich genausoviel bezahlen wie für die Zustellung eines Briefes quer durch die Republik? Wie will man denn das erklären?
Trotz all dieser Ärgernisse habe ich mich für E-Post angemeldet, um mir möglichst schnell meine Wunschadresse zu sichern. Denn ich fürchte, nicht nur die Post selber ist davon überzeugt, noch immer im alten Glanz zu strahlen, sondern auch noch einige andere. Es ist eben “Die Post” – und die sind die Nummer eins für die Zustellung von Briefen (ob nun real oder virtuell). Deswegen fürchte ich, dass viele Unternehmen und einige Privatleute den E-Post-Service trotz der unerklärlichen Preise nutzen werden – so ärgerlich auch sein mag. Denn langsam aber sicher sollte man dem Konzern mit der Tröte mal zeigen, dass wir im 21. Jahrhundert leben…
(Foto: Deutsche Post)
Super geschrieben! Hast genau meine Sichtweise getroffen. Applaus!
[...] This post was mentioned on Twitter by Ein Online-Redakteur, Radschkattl, olawes, Michael Buchner, Kerstin G. and others. Kerstin G. said: RT @Scherzinfarkt: Der neue E-Brief verleitet einen einfach dazu, noch ein bisschen Post-Bashing zu betreiben: http://arm.in/hLN [...]
Bei Euch gibt es noch gelbe Kästen ? Und die werden noch geleert ? Irre.
Was immer vergessen wird: In einem Brief für 55 Cent bekommt man maximal 4 Blatt A4-Papier verschickt. Dafür muss man aber auch erstmal ‘ne Briefmarke haben, zum Briefkasten rennen und außerdem kommen da noch die Kosten fürs Ausdrucken oder Kopien dazu.
So scanne ich einfach alles ein (z.B. Ausweis oder irgendwelche Schriftstücke), mache mein Anschreiben als PDF, ein Antrag o.ä. ist digital ausgefüllt (heißt: der Beamte kann auch alles lesen) und ich kann auch viel schneller mit Antwort rechnen.
Auf dem Amt muss dann nicht jemand meine Handschrift entziffern, alles im Adler-Such-System abtippen, … und so weiter.
Wer vergisst das denn?
Das System des E-Briefs an sich ist wunderbar und es wurde auch höchste Zeit, dass es kommt. Aber wie will man denn bitte den Preis rechtfertigen?
Dass der E-Brief gegenüber einem normalen Brief eigentlich nur Vorteile hat (Material, Aufwand, Zustelldauer), stellt doch keiner in Frage.
Viel unglaublicher finde ich, dass man bei einem eBrief, der dann eventuell ausgedruckt und eingetuetet werden muss auch noch bei den Druckkosten mächtig zur Kasse gebeten wird.
Während bei einem Standardbrief (bis zu 4 Seiten) nur der farbige Druck 10Cent PRO Seite
extra kostet, zahlt man ab der 5. Seite PRO Seite 10Cent für den S/W Druck + nochmals 10Cent
pro Seite wenn es farbig sein soll.
Bei einem z.B. neunseitigem Brief würde ein farbig ausgedruckter Brief
0,90 € Porto plus 1,80€ Druckkosten. Das finde ich dann doch etwas ….sagen wir…unverschämt.
Ich werde es zwar vermutlich nie nutzen, aber dennoch habe auch ich mir meine Wunschadresse
gesichert.
Kollege, nenne mir ein einziges Land der Welt wo man einen Brief in 24 h
für 55 ct bekommt?
Wenn man mal etwas im Ausland war ,nimmt man gerne die Preise des Gelben Riesen in Kauf.
Wenn Du im Rest der Welt irgendetwas innerhalb von 24 h versenden willst zahlst du richtig drauf.
@Tim Fox
Dass ein Brief innerhalb von 24h ankommt, ist heutzutage eher ein Glücksfall.
Was die E-Post betrifft, stimme ich völlig zu. Diese Preise sind überzogen, trotzdem habe auch ich mir meine Adresse gesichert.
Aber zu den langen Mittagspausen in den Filialen möchte ich anmerken, daß es vielleicht auch an Tarifverträgen liegen könnte, die für die dort Beschäftigten noch aus den Tagen gelten, als die Post ein rein staatliches Unternehmen gewesen ist. Ob es so ist, weiß ich nicht, es ist nur eine Theorie.
Viele Grüße, David
Nur was zu den Mittagspausen:
Die Filiale am Kaiser-Wilhelm-Ring z.B. hat erst seit ein paar Monaten wieder die Mittagspause. Mich störts nicht, ich weiß es ja. Auch meine Bank macht Mittagspause. Gönn es denen doch. Ich will auf meine Pause ja auch nicht verzichten.
Ich glaube nicht, dass die besser verschlüsselt sind. Der Staat bzw. die Ämter werden sogar einfacher an die Daten kommen, wenn sie _irgendeinen_ Verdacht haben.
Das ganze System gehört boykottiert.
http://www.daten-speicherung.de/index.php/boykottiert-das-glaeserne-de-mail/
Das Schlimmste an ePost finde ich nicht mal den Preis, denn der wird bestimmt bald sinken.
Nein, die Anmeldung ist schlimmer als jede Steuererklräung!!! Online-Anmelung, Post-Ident bei einer Post-Filiale, unzählige PINs, Passwörter und TANs, die man via Brief und SMS erhält, Bestätigungsfelder undsoweiterundsofort. Eigentlich soll eine E-Mail eine Erleichterung zu einem haptischen Brief sein, aber das hier ist umständlicher Schmumpf allergrößter Sorte!
Wenn nicht mal ich als PC- & Internet-Profi recht verstehe, welchen PIN-TAN-Passwort-Code ich jetzt wann und wo und warum eingeben soll, wie sollen es dann Otto-Normal-Briefschreiber verstehen und nutzen können?!?
Hoffentlich wird die DE-Mail einfacher!
