Liebe Deutsche Post!

Gestern habe ich dich mal wieder besucht. Nicht wirklich freiwillig – ich musste vorbeikommen, weil einer deiner Paketboten mir meine bestellten Kaffeekapseln zustellen wollte, als außer dem Hund gerade keiner da war. Und weil der Hund bei der Annahme von Paketen noch nicht unterschriftenberechtigt ist, hat dein Mitarbeiter das Paket in einer deiner Filialen abgegeben und mich damit gezwungen, auch mal wieder in dieser Filiale vorbeizuschauen.

Liebe Deutsche Post, ich will ehrlich sein: Wenn ich nicht zu gelegentlichen Besuchen gezwungen wäre, würde ich dich komplett meiden! Als Unternehmen gehst du mir so dermaßen auf den Geist, dass ich am Liebsten komplett ohne dich auskommen würde. Aber ich kann mir ja nicht aussuchen, wie mir meine Pakete und Briefe geschickt werden. Und auch wenn ich selber einmal Briefe verschicke (so echte, auf toten Bäumen gedruckt), überlasse ich dir meistens den Versand. Allerdings meide ich es, wo immer es geht, dich in einer deiner Filialen zu besuchen.

Warum das so ist, willst du wahrscheinlich wissen. Ach, Post… Das kannst du nicht verstehen. Du bist eben zu altmodisch für mich. Schau mal, du hast in deinen Filialen Mittagspausen. Da ist dann einfach mal zwischen 13 und 14 Uhr die Tür zu. Sowas kenne ich gar nicht – ich lebe im 21. Jahrhundert. Und selbst wenn dann eine Filiale offen ist, muss ich mir erstmal verdammt viel Zeit mitnehmen, um anzustehen – Zeit, die ich eigentlich auch sehr viel nützlicher verbingen könnte.

Gestern, als ich dich besucht habe, ging die Schlange in der Filiale mal wieder bis zum Eingang. Weißt du, was jeder zweite gesagt hat, als er reinkam? “Leck mich doch am Arsch!” haben die Leute gesagt. Ich denke, das meinten sie nicht wörtlich, liebe Post – aber sie wollten dir damit sagen, dass sie weder Zeit, noch Lust haben, ewig anzustehen, um ein Paket abzugeben oder irgendwas abzuholen (denn die meisten anderen so genannten Dienstleistungen gibt es inzwischen ja zum Glück auch am Automaten oder im Internet).

Und wenn man dann so in der Warteschlange steht, wird einem erst langsam bewusst, was für eine kranke Unternehmensstrategie du hast. Wobei – ist das noch eine Strategie? Ich habe gestern in meiner Postfiliale nicht nur die üblichen Regale voller Tesafilm, Stifte und Collegeblöcke gesehen (dass man sowas in einer Postfiliale kaufen kann, ergibt mit etwas Fantasie und zugedrücktem Auge ja noch Sinn), sondern auch einen großen Aufsteller mit Kalendern, einen mit DVDs (!) und an der Kasse konnte ich auch noch Stereo-Lautsprecher kaufen (!!!).

Liebe Deutsche Post, kennst du einen EINZIGEN Menschen, der einmal sagte: “Ich würde gerne einen Film sehen, ich glaube, ich gehe zur Post und kauf’ ne DVD”? Oder einen, der in der Schlange steht und sagt “Gut, dass die hier Lautsprecher haben, die brauche ich eh noch!”? Nein? Siehste – ich auch nicht!

Als ich dann gestern endlich dran war, sah ich an der Kasse auch noch einen verwaschenen ausgedruckten Zettel, der mich auf eine Digitalkamera für 59 statt 129 Euro hinwies. “Verkaufen Sie hier jetzt schon Kameras?” habe ich einen deiner Mitarbeiter gefragt. Und was hat der mir geantwortet? Er sagte: “Ja. Ich sag da nichts zu, sonst sind wir heute Abend noch dran!”, und verdrehte die Augen. Merkst du was? Selbst deine eigenen Mitarbeiter sind genervt von deinen verzweifelten Versuchen, deinen Kunden noch irgendwie Geld aus der Tasche zu ziehen.

Liebe Deutsche Post, ich kann mir vorstellen, dass es ein doofes Gefühl ist, wenn man merkt, dass man jahrelang gepennt hat und dann in der Gegenwart aufwacht und die Uhren auf einmal anders ticken. Aber muss man denn seine Kunden so behandeln, dass die sich am besten noch wünschen, gar keine Kunden mehr zu sein? Mit jedem Winterset fürs Auto, das ich in einer Postfiliale angeboten bekomme und mit jedem einzelnen Mal, das mich einer deiner Mitarbeiter fragt, ob ich schon ein Postbank-Konto habe, günstigen Strom möchte oder bei Faber Lotto spielen will, sinkt dein Ansehen in meinen Augen noch ein Stückchen ab.

Liebe Deutsche Post, auf mich wirkst du einfach verzweifelt und unbeholfen. Du hast die Zeichen der Zeit nicht erkannt und gehst bis heute davon aus, dass Kunden etwas selbstverständliches sind und immer wieder kommen. Dabei weißt du doch eigentlich, dass du längst nicht mehr staatlich bist und das Monopol auch nicht mehr hast. Warum also gibst du dir nicht einfach mal etwas Mühe? Warum gibst du deinen Kunden statt dessen das Gefühl, dass sie dir scheißegal sind und nur viel Geld da lassen sollen? Warum diese Arroganz?

Ich erwarte keine Antworten auf meine Fragen. Ich erwarte auch nicht, dass du dich änderst, liebe Post. Die Hoffnung habe ich aufgegeben.
Mit resignierten Grüßen,
dein Florian

(Foto: Deutsche Post)

Dieser Eintrag wurde geposted amMittwoch, November 3rd, 2010zu15:14und ist abgelegt unterBeobachtungen, Gedanken, MeinungenSie können alle Antworten zu diesem Eintrag folgen durch den RSS 2.0feed. Sie können einen Kommentar hinterlasse , oder trackback von deiner eigenen Seite You can leave a response, or trackback from your own site.

Über den Autor:

Florian Meyer ist Online-Redakteur und Tupperware®-Berater in Köln, Netz-Junkie, Twitterer, Beobachter, Schreiber

18 Comments

  1. Die Erklärung ist eigentlich relativ einfach: ein Großteil der Postfilialen ist bereits privatisiert und im nächsten Jahr wird die Post ihre letzte eigene Filiale übergeben/schließen.

    Anscheinend reichen aber die Gewinne aus dem Post-Geschäft allein für die neuen Besitzer nicht aus, weshalb wohl auf anderem Weg versucht wird, noch irgendwie auf einen grünen Zweig zu kommen.

    Darunter leidet auch der Service.

  2. Wohl dem, der eine Postfiliale hat. Auf dem Land werden die reihenweise geschlossen und wenn man Glück hat, kriegt man seine Pakete in der Bäckerei, die aber nicht an allen Tagen geöffnet hat. Jedenfalls nicht zu Zeiten, an denen ein normaler Arbeitnehmer die abholen kann.

    Dein Beitrag spricht mir aus der Seele. Die Post sollte das Wort “Dienst LEISTUNG” mal auseinandernehmen.

  3. Dem Inhalt des Briefes kann ich voll und ganz zustimmen. Aber am besten finde ich noch, dass Google Dir in Deinen Artikel ausgerechnet Werbung der Deutschen Post einspielt. ;-)

  4. Pingback: Tweets that mention Liebe Deutsche Post! | Scherzinfarkt -- Topsy.com

  5. Bei uns machen die Postfilialen in den diversen Tante-Emma-Läden reihenweise dicht, weil sich der zusätzliche Aufwand nicht nur, nicht lohnt, sondern die paar verbliebenen Kunden dieser Dorfläden auch noch zusätzlich verärgert werden. Die müssennämlich im Zweifelsfalle eine Viertelstunde warten, um ihren blöden Brief loszuwerden, weil die eine Halbtagskraft gerade an der Fleischtheke bedient und die andere gerade ein paar Omis abkassiert.
    Manchmal gibt es auch die schöne Situation, daß der Laden zwar durchgängig geöffnet ist, aber die integrierte Postfiliale Mittagspause macht…..
    Da in den “größeren” Filialen ja sämtlich “Postdienstleistungen” (hysterisches Gelächter) angeboten werden, habe ich häufig das Vergnügen sinnlosen Wartens, weil der Kunde vor mir gerade aufwändig ein Konto eröffnet oder einen Dauerauftrag einrichtet.

    Aberimmerhin macht es viel Spaß dem Dinosaurier Post beim Sterben zu zu gucken….

  6. Vor einigen Jahren wurden die Angestellten/Beamten der Post für ihren Dienst am Schalter vereidigt und man musste für den Beruf eine dreineinhalbjährige Ausbildung absolvieren. Heute werden Hausfrauen zu einem 14-tägigen Seminar geschickt und müssen im Grunde fast die gleiche Arbeit leisten. Und sind damit auch noch völlig überfordert. Die gekniffenen sind die Kunden. Das ist Dienstleistung pur !
    Es ist amüsant zu lesen, was so über die Post als Dienstleister geschrieben wird. Und alle stossen in das selbe Horn. Nur einem geht das so gepflegt am Allerwertesten vorbei. Und das ist die Deutsche Post. Ganz schön traurig.

  7. Ich denke die Ernüchterung, wenn man (egal zu welcher Zeit) eine Postfiliale bertritt, hat jeder schonmal erlebt. Und gerade das finde ich so schlimm, es ist immer so voll und es ist überall so!

    Ich bin recht froh, dass sie mittlerweile die Packstation eingeführt haben. Das funzt bisweilen eigentlich ganz gut.

    • DrHool

      Ja, die Packstation. Mit der war ich bisher auch ganz zufrieden. Nur leider ist die, in der momentan ein Paket auf mich wartet, seit drei Tagen nicht betriebsbereit. Und mit DHL diesbezüglich in Kontakt treten zu wollen ist ein mehr als fruchtloses Unterfangen. Auf E-Mails an DHL hab ich mein Lebtag noch keine Antwort bekommen (hab mich da auch schon mal erfolglos wegen eines auf dem Briefkasten abgestellten Einschreibens beschwert, wo man eigentlich denken sollte, dass dies schon mal eine Antwort wert sein sollte). Und an der 14centprominute-Hotline bekomme ich nur zu hören, dass heute irgendwie alle Telefonate dort aufliefen und man sowohl nicht zuständig als auch überfordert sei. Also servicetechnisch geben sich hier Mutter DPAG und Tochter DHL nix.

      • Blubbernase

        @drHool: Wende dich mal an den twitterkanal/Facebookkanal von denen, die sind eigentlich superfix mit einer antwort dabei. Zumindest bei mir

        Ansonsten kann man deinen Brief sehen wie man will, ich würd den nicht unterschreibe, sondern eher ne word up für die Post machen. Besuche zu Stoßzeiten sind nun mal mit ner Schlange verbunden, ich hab selten mehr als 3 minuten warten müssen weil ich die Stoßzeiten meide. Aber das ist nun wirklich überall so. geh mal um kurz vor ladenschluss in einen beliebigen Discounter. Und sich über ein Angebot zu beschweren…? Gehts du auch zu Lidl und regst dich über angebotene TVs, Satelitenschüsseln, Laufschuhe etc. auf? Ich glaub ich hab noch nie irgendwo anders, als in einer Filiale, Umschläge gekauft – um mal den Punkt mit den Büroarktikeln zu kommentieren.

        Das mit den Filialen in der Fläche kann ich nicht beurteilen, ich wohn in einer Großstadt. Meine Briefe/Pakete kommen allerdings immer an (ich denke deine auch, sonst hätt es bestimmt mit dabei gestanden), die Packstation wurde grade vergrößert.

        Ach und Mittagspause: Ich bin froh eine hier im Büro zu haben. Da geh ich auch nicht an Telefon. Wie auch die ganze Abteilung nich. Die gönn ich jedem, und mach niemanden nen Strick draus die seinen Mitarbeiten auch zu geben. Also, ich weiß nicht was dein Problem ist? Das Angebot? wenn ich platz hätte würd ich auch schauen das ich produkte mit hoher marge in meinen Laden bekomme und die vertreibe. Aber bei der Post ist das dann veraltet. komische Denke.

        Und von einem Mitarbeiter auf alle, naja. Die passenden Sprüche spar ich mir mal.

        Also alles in allem, jammerst du hier nur, regst dich über das Angebot auf, willst den Leuten die Mittagspause absprechen. Den Punkt mit der Wartezeit, nun den kann man vermeiden, muss man aber nicht. ist aber überall so. hotline, Bank, Laden.

        • Steffi

          öhm. natürlich steht den postmitarbeitern eine mittagspause zu. deswegen muss man ja den laden aber nicht für eine stunde dicht machen – man kann ja auch in schichten pause machen. machen wir hier auch – das telefon muss immer besetzt sein, also wechselt man sich eben ab mit der pause. und mich nerven diese permanenten direkten angebote (haben sie schon ein girokonto, blablabla) bei der post auch, wenn ich nur ein päckchen aufgeben will!!! beim frisör werd ich ja auch nicht gefragt ob ich noch zweihundert gramm käse brauche oder eine professionelle zahnreinigung!

  8. Pingback: Gregor Atzbach » Endlich sagt es mal jemand

  9. Meine Postfiliale ist in der Tanke – dort sind die Menschen freundlich und in bester Servicelaune. Aber seit dort mal die Briefmarken ausverkauft (!!!) waren, bestelle ich die nur noch online. Und betrete die Tankenfiliale nur noch zum Päckchenzurückschicken (bzw. Päckchenabholen – mein Hund ist nämlich auch nicht unterschriftenberechtigt).

  10. Pingback: weiterbloggen: Liebe Deutsche Post –

  11. Wenn dir das Schlange stehen am Schalter nervig ist, nutze den ePostbrief oder bei Päckchen die Benachrichtigt worden sind die Paketstation, die 24 Stunden am Tag erreichbar ist.

  12. Schwarz-Schilling

    Es wird ja bald, dank des MEGA-Erfolgs von E-Postbriefs, leerer werden. Inzwischen sollen ja schon über eine Million diesen neuen Service nutzen. Komisch ich kenne keinen einzigen davon. Premiere hatte ja auch mal über 3 Mio. Kunden.

  13. Philipp

    Hallo Blubbernase,

    hast du eigentlich mal nachgeguckt was ein “Blog” ist? Das ist keine Web-Ausgabe einer Tageszeitung sondern die Niederschrift einer persönlichen Meinung ;-)

    Und zu deinen Beispielen: Über Hotlines wird sich genauso aufgeregt, Banken haben mittlerweile auch immer seltener in der Mittagszeit geschlossen und Läden haben auch durchgehend geöffnet (außer natürlich mitten auf dem Land, wo 3 mal die Woche der Bäcker noch mit seinem Wagen vorbei kommt und seine Brötchen verkauft).

    Generell teile ich die Meinung von Scherzinfarkt und vermeide es genauso, diese Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen.

    Allerdings habe ich auch noch einen Nachtrag: Mittlerweile scheinen die Zusteller nichtmal mehr Lust zu haben, Pakete beim Kunden abzuliefern und werfen lieber direkt die Benachrichtigungskarte ein. In meinen Augen eine riesen Sauerei!!!
    Ich habe es schon erlebt, komme aus meiner Wohnung, finde im Briefkasten diese hübsche orange Karte, gehe durch die Haustür und sehe am Haus nebenan den Postboten stehen. Natürlich gehe ich dann auch mal hin und frage nach meinem Paket. Bis hierhin geht es grade noch. Wenn ich dann allerdings zu hören bekomme, ich wäre nicht da gewesen (ich kam grade aus meiner Wohnung, meine Klingel funktioniert einwandfrei), dann bekomme ich schon ein leichtes Kribbeln in meiner Hand.

    DAS ist nicht meine Vorstellung von SERVICE!

  14. Sascha

    Heute bin auch ich genötigt sie zu besuchen, weil am Samstag auch nur mein Hund zuhause war, wie der DHL Paket Bote da war. Ich meine zumindest das auf dem Ihre Sendung ist da! Zettel der 25.02 eingetragen ist die Schrift ist so undeutlich es könnte auch eine 7 sein und dann wäre der Paketbote heute am 27.02 da gewesen, wie ich unter der Dusche stand. Ich werde mich bald auf den Weg machen das Schreibwarengeschäft im Ort mit Post / Postbank Service macht nämlich auch noch Mittagspause von 12:00 Uhr bis 14:00 Uhr und um 17:00 Uhr schon ganz zu! Ich könnte ja auch anrufen und nachfragen ob ein Paket für mich zur Abholung bereitliegt doch dies müsste ich dann teuer bezahlen es ist nämlich so das dieses Schreibwarengeschäft mit Post / Postbank Dienstleistungen eine 0180er Nummer hat, die mich Geld kosten würde. Habe ich mal einen Brief zu verschicken, drucke ich meistens schon am PC die Briefmarke und werfe den Brief nur noch in den Briefkasten. Pakete bringe ich an die Packstation. Denn so wie das Schreibwarengeschäft mit Post / Postbank Service geöffnet hat kann ich es nicht besuchen. Schon etwas länger her da bekamen wir in den Ort auch eine Packstation da war die Betreiberin des Schreibwarengeschäfts, das auch Post / Postbank Service anbietet, in rage und schrieb in der Zeitung von vielen würde falsch frankiert vieles was als Paket verschickt wird könnte auch als Großbrief verschickt werden.

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