Kaffee ist das neue Basecap

Wann war eigentlich der Zeitpunkt, als es auf einmal hip war, Kaffee zu trinken? Inzwischen kokettieren doch alle die was auf sich halten damit, dass sie Kaffee trinken. Damit das auch jeder weiß, schreiben sie das in ihre Facebook-Biografien (“kaffeesüchtig!!!!111einself”), twittern darüber (“Wer bringt mir einen Kaffee an den Schreibtisch? Schlafe sonst ein und dann motzt der Chef!!!!!!111einself”) oder demonstrieren ihre Kaffee-Credibility in der U-Bahn mit einem lächerlichen Thermobecher, den es mal gratis gab, als sie eine Packung Lätta gekauft haben.

Im Ernst: Eigentlich schmeckt das Zeug doch nicht. Wenn das einer erkannt hat, dann die so gepriesenen Kaffee-Spezialisten von Starbucks. Die haben den Ruf, sich 1A mit dem Heißgetränk auszukennen und sind gleichzeitig diejenigen, die es am meisten verpantschen! Die angeblichen Kaffeeliebhaber verkaufen das Gesöff doch eigentlich überhaupt nicht ohne laktosefreie Sojamilch, Vanilla-Flavour, triple-Choc und Sahne. Kaffee wird einfach so lange geschüttelt, gemischt und gerührt, bis er nach allem schmeckt – Hauptsache nicht nach Kaffee.

Ich selber bin auch einer von der Sorte: Meinen Morgen-Kaffe trinke ich auch mit einem satten Schuss Milch und zwei Süßstofftabletten. Da könnte ich es mir auch einfach sparen und etwas trinken, was ich mag, sollte man meinen. Aber nein – das ist so drin: Morgens trinkt man Kaffee. Allein schon aus der Gefahr heraus, auf dem Weg zur Arbeit beim Gehen einzuschlafen, wenn man es nicht tut.

Der Thermosbecher ist heute das, was das Basecap in den 80er Jahren war – er kennzeichnet die absolut coolen Hipster. Manche sagen, er identifiziert die absolut weichbirnigen Vollschwachmaten, da mag ich auch nicht unbedingt widersprechen. Wenn ich heute vollbeschäftigte Businessmen sehe, die morgens keine Zeit mehr für ihren Morgenkaffee hatten und ihn deswegen im To-Go-Becher in der Bahnschlürfen, wünsche ich mir, er hätte statt dessen ein Basecap auf. Ich finde es weiterhin albern, einen Becher mit sich rumzutragen, in dem man ein Getränk transportiert, dass man vorher so sehr getunt hat, dass von seinem Ursprungszustand nichts mehr übrig ist – und das man vor allem auch zu Hause hätte trinken können.

Aber eines Tages wird dieser Kaffeetrend wahrscheinlich genauso plötzlich verschwinden, wie er gekommen ist. Dann werden wir eine zeitlang alle Mate-Tee aus klimaneutralen Papp-Thermosbechern nippen, bis der Becher-in-der-UBahn-Trend dann hoffentlich mal komplett verschwindet. Und dann kommt irgendein neuer hipper Trend – und ich werde mir die Thermosbecher zurückwünschen…

Dieser Eintrag wurde geposted amFreitag, Februar 11th, 2011zu09:03und ist abgelegt unterBeobachtungen, Gedanken, Gesellschaft, HalbernstesSie können alle Antworten zu diesem Eintrag folgen durch den RSS 2.0feed. Sie können einen Kommentar hinterlasse , oder trackback von deiner eigenen Seite You can leave a response, or trackback from your own site.

Über den Autor:

Florian Meyer ist Online-Redakteur und Tupperware®-Berater in Köln, Netz-Junkie, Twitterer, Beobachter, Schreiber

10 Comments

  1. Maren

    Ja, das ist definitiv was dran! :)

  2. christina

    ja.. das ist schön ausgedrückt :)

    Ich habe für mich beschlossen, dass ich nie mehr wieder kaffee trinke und starbucks meide ich ;) Ich bin der anfang der revoulution

  3. Sprichst mir so aus der Seele. Ich trinke kaffee gerne schwarz, einfach weil es dann auch Kaffee ist und ich den Geschmack mag. Mich wundert das auch immer, worauf so viele Leute dieses Getränk pantschen, bis es gar nicht mehr nach Kaffee schmeckt. Prost!

  4. Jendrik

    Kaffee muss schwarz sein! ;)

  5. Oliffm

    Ich werde diesen Beitrag in der morgendlichen U-Bahn aushängen ;-) .
    Ich dachte schon ich bin der Einzige den das nervt… Danke für Eure Bestätigung.

  6. NoBananaCake

    Sooooo herrlich! Und genau auf den Punkt getroffen! Natürlich gehöre ich auch zu der Generation morgens-nicht-ohne-Becher-aus-dem-Haus-Geher, aber bei mir ist Cappuccino drin, denn: mir schmeckt das Zeug nicht :-) Ich habe mich mit diesem Artikel so ertappt gefühlt, dass ich mich heute morgen ganz schlecht dabei gefühlt habe meinen all morgendlichen Cappuccion-to-go zu trinken :-) Bei mir ist es schon so weit gekommen, dass ich mir die Becherrohlinge bei Ebay bestelle, mir meinen Cappuccino zu Hause selber mache, nur um damit täglich 3€ zu sparen – irre! Ich muss dringend umdenken….. Danke!

  7. Frau K.

    Hi,

    schön geschrieben! Allerdings seh ichs ein bißchen anders: ich schleppe meinen Thermobecher rum, weil ich Kaffee gerne mag (trinke ihn fast schwarz mit einem Mini-Schuß Milch) und ich so in meinen 35 min Arbeitsweg noch 2 Tassen mehr reinschütten kann. Und außerdem hab ich nen Elvis-Thermobecher ;-)

  8. Jetzt weiß ich nochmal genau warum ich schon aus Prinzip keine Kaffee trinke.
    Starbucks ist mir auch einfach zu teuer, Kaffee ist auch nur ein Getränk!

  9. Herr_Zwi

    Sehr schön kommentiert. Businessheinis mit Basecap wären auch nicht schlecht. Schöner Text.

  10. Tja, ich hab selbst zwei Jahre in einem Café der deutschen Kette “World Coffee” gearbeitet, mit dem Unterschied zu Starbucks, dass dort der Kaffee mit Siebträgern gezogen wird und per Hand getampt und haste nich gesehen..
    was ich damit sagen will: Zum Einen solltet ihr lieber zu WC als zum Starbucks gehn (natürlich nur weil ich da mal gearbeitet habe und allein deswegen Starbucks schon nicht mag) und zum Anderen, dass es einfach viel zu arg gehyped wird, wie man Kaffee zubereitet, warum man ihn trinkt, wann wo und wie und zubereitet wurde er von einem Barista und der hat mir en Herz auf den Capputschnik gezaubert und dann mit Schokosüße noch seine Telefonnummer draufgeschrieben hach seufz schluchz…

    Ich geh dann ma erbrechen. Ich trink Kaffee gerne, gern auch mal nen Espresso und drin is Zucker und en bisken Milch. Aber ich stell mich deswegen nich an ne Straßenecke (im Internet oder sonstwo) und halt darüber en Referat. Trinkt Kaffee, aber trinkt ihn leise!

    Ääh.. danke, weitermachen, wollte nur nochmal ins gleiche Horn stoßen wie der Scherzinfarkt.. das klingt jetzt auch wieder komisch…äh… ja.

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