Vorab: Ich bin kein Politik-Experte. Ich kenne mich nicht sonderlich mit Doktorarbeiten aus, ich habe keine Ahnung von den konkreten Aufgaben eines Verteidigungsministers. Und doch habe auch ich – wie so viele Menschen dieser Tage – eine bescheidene Meinung zu den Vorgängen rund um den derzeit arg unter Beschuss stehenden Copypaste-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg.

Gestern Abend hat Schmierfrisur Karl-Theo also verkündet, dass er nicht mehr Dr. Karl-Theo ist. Soweit, so gut. Wenn man einen Fehler ehrlich eingesteht und die Konsequenzen zieht, ist das doch eigentlich eine ehrwürdige Tat. Aber nicht, wenn man sich damit selbst widerspricht.

Es ist nur wenige Tage her, dass Schmierkopp-Karl sich öffentlich hingestellt hat und sowas sagte wie “Ja, sieht schon komisch aus, aber Plagiat ist das doch nicht…”. Und heute meint er dann “Ach, ich hab mir das nochmal angesehen – war wohl doch doof, ich lass den Doktor einfach weg!”. Wer soll denn bitte glauben, dass er in den wenigen Tagen dazwischen erkannt haben will, dass er doch Mist gebaut hat? Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass die Margarine-Matte endlich mal erkannt hat, dass aus diesem Schlamassel kein Weg mehr hinaus führt?

Ich glaube nicht, dass ein Doktortitel einen Mensch schlauer macht oder fähiger, ein öffentliches Amt zu bekleiden. Die Gehirnzellen bleiben die gleichen und auch sonst sind die Fähigkeiten sicher nicht von zwei Buchstaben auf einer Visitenkarte abhängig. Karl-Theo kann auch ohne Doktortitel ein guter Politiker sein – oder aber mit Titel ein schlechter.

Allerdings glaube ich, dass der Diebstahl von Gedankengut ein ganz deutliches Bild eines Menschen zeichnet. Ich kann mir zwar nicht mal mit viel Mühe vorstellen, wie schwer und umfangreich es ist, eine Dissertation zu schreiben. Aber ich kann mir vorstellen, dass man es sich ein wenig leichter machen will, wenn man so ein Mammut-Projekt in Arbeit hat. Und da man beim Thema Geschichte kein neues Wissen in die Welt tragen kann, sondern nur altes widergeben, liegt es auch nahe, einfach das nachzukauen, was andere schon gesagt haben.

Aber sich durch wortwörtliches Copypasten einen wertvollen Titel zu klauen (denn nichts anderes ist es, wenn man fremdes Gedankengut einfach zusammenstellt), ist eine Spur zu hart. Mir kann auch niemand sagen, dass Karl-Theo nicht wusste, was er tat. Gerade bei einem Mammut-Projekt wie einer Doktorarbeit ist man doch besonders vorsichtig und passt auf, die Regeln einzuhalten. Da kann ich ein “Ups, das ist ja ein Zufall, dass die FAZ mal wortwörtlich das Gleiche geschrieben hat” einfach nicht abkaufen, sorry.

Aber muss Copypaste-Karl-Theo nun zurücktreten? Naja – seine Kopiererei hat sicherlich keinen Einfluss auf sein Amt als Verteidigungsminister. Allerdings wirft es ein interessantes Licht auf sein Wesen und seine “kriminelle Energie”. Viel schlimmer als das Kopieren selber finde ich dabei, wie er nun versucht, sich aus der Nummer rauszuwinden. Die einzig akzeptable Reaktion wäre doch ein “Ja, ich hab Scheiße gebaut und dachte, ich komme damit durch. Ich verspreche, ich mache es nie wieder!” gewesen. Aber so viel Ehrlichkeit darf man wahrscheinlich als Politiker ohnehin nicht an den Tag legen…

4 Kommentare

  1. “Allerdings glaube ich, dass der Diebstahl von Gedankengut ein ganz deutliches Bild eines Menschen zeichnet” – Eben, eben, und darum ach fordern wir:
    Uneingeschränkte Solidarität mit Dr. zu Guttenberg!</

  2. Florian sagt:

    Leider wird, wie sooft, verkannt, dass das “Zitieren ohne Quellenangabe” bzw. Plagiieren gängiger Usus unter Hochschulabsolventen ist, um sich ein zwei- bis vierstelliges Kürzel vor den Namen setzen zu lassen. Unglücklicherweise traf das unseren – wie ich finde – sympatischen Verdeidigungsminister; nicht wunderswert, dass das “zufällige Draufstoßen” gerade ein pedantischer Jurist war, der unter dem berliner rot-rot-grünen Rock hervorschaut. Zweifelslos ein politischer Zug, der wahrscheinlich hätte früher zu Tage getrage werden sollen, aber nach wie vor große Wellen schlägt!
    Ich mag das überhaupt nicht verharmlosen, aber sollte sich mal jemand dessen wirklich annehmen, und mal genauer bei einiges Absolventen mit oder ohne Titel hinschauen – um Himmels Willen, was da wohl vom Zaun bricht.
    Und die Pauschalisierung ihm einen kriminellen Geist zu Last zu legen finde ich unpassend. Meinen seelischen Rückhalt hat er!

  3. ebook sagt:

    Als wäre nichts gewesen: Karl Theodor zu Guttenberg legt seinen Doktortitel ab und darf Minister bleiben. Das ist nur eine Fußnote in seiner Traumkarriere. Sicher, keinen interessiert es mehr. Der Guttenberg wird sich noch Bundeskanzler. Das spricht viel für die Kultur in unserem Lande.

  4. Marina sagt:

    Man wählt eine Partei, weil man davon überzeugt ist, das deren Führung kompetent und charakterstark ist. Nach dem Debakel mit seiner Doktorarbeit weiß man nun, dass zu Guttenberg eben die Schwäche des Schummelns bewiesen hat, was ihn als Kanzlerkandidaten ausschließt. Minister wird er wohl noch bleiben dürfen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>