Katastrophenberichterstattung

Die Welt hält den Atem an und schaut nach Japan. Das schlimmste Erdbeben aller Zeiten, ein gigantischer Tsunami und nun auch noch die Angst vor dem Super-GAU: Die schrecklichen Nachrichten aus dem asiatischen Land reißen nicht ab. Doch wer genau diese Nachrichten verfolgen will, muss sich manchmal ordentlich an den Kopf packen – dabei ist es wohl selbstverschuldetes Übel, dass die Berichterstattung teilweise genauso erschreckend ist, wie ihr Inhalt.

Seit knapp zwei Tagen schaue ich nahezu ununterbrochen n-tv, um mich über die Ereignisse in Japan auf dem Laufenden zu halten (halb dienstlich, halb privat). Auch wenn man pure Nachrichten und reine Fakten sicher schneller via Twitter und Co. bekommt, finde ich Nachrichtensender als Informationsquelle in solchen Fällen besser. Schließlich muss ich mir meine Nachrichten nicht selber zusammensuchen, Seiten aktualisieren und verschiedene Quellen abklappern, sondern bekomme die News aufbereitet vorgetragen und muss nur zuhören. Das zumindest ist die Wunschvorstellung.

Die Schattenseite bei der Katastrophenberichterstattung aus Japan: Wenn stundenlang nichts passiert und man eigentlich nur zuschaut, um mitzubekommen, wenn was passiert, muss man ganz schön viel Blödsinn ertragen. Denn wenn nichts passiert, können die Nachrichtensprecher nichts Neues erzählen – und wiederholen im Halbstundentakt alles, was schon bekannt war.

Besonders heute ist mir das bei n-tv wieder einmal negativ aufgefallen. Nicht nur, dass Filmbeiträge mit Augenzeugenberichten gnadenlos zwei Mal pro Stunde wiederholt wurden – auch komplette Studiomoderationen wurden wiederholt und erweckten nur den Anschein, live zu sein. Während man bei n-tv offenbar auf neue Entwicklungen aus Japan wartete, sendete man munter Retorten-Moderationen in einer gefühlten Endlosschleife.

Als ich es dann nicht mehr ausgehalten habe, habe ich zu N24 umgeschaltet. Da gab’s mal andere Interview-Partner, die allerdings teilweise den gleichen Sendezeit-füllenden Humbug erzählt haben (“Radioaktive Strahlung ist für den menschlichen Körper schädlich!”). Und ich habe rausgefunden: Bei N24 sitzen in der Schnittregie offenbar echte Künstler. Die grausigen Szenen der Amateurfilmer aus Japan wurden von der N24-Redaktion mit düsterer Musik unterlegt und ergaben zusammengeschnitten halbkünstlerische Szenen, die mit Berichterstattung kaum noch was zu tun hatten.

Aber kann man sich wirklich über diese Art der Berichterstattung beschweren? Schließlich sind wir Zuschauer doch selber Schuld. Die meiste Zeit strafen wir die Nachrichtensender mit Nichtachtung und die regulären Quoten von n-tv, N24 und Co. sind unterirdisch. Kein Wunder also, dass die Sender sparen und einen Großteil ihrer Sendezeit mit Reportagen über Riesenbagger oder König Heinrich VIII. verfüllen oder an Sonntagen offenbar nur mit wenig Personal im Einsatz sind. Wenn dann aber wirklich etwas in der Welt passiert und wir umfassend informiert sein wollen, sitzen wir mit Entsetzen vor dem Fernsehen und schimpfen über die Art der Berichterstattung. Dass wir selber Schuld sind, sehen die meisten allerdings sicher nicht ein…

(Foto: n-tv)

Dieser Eintrag wurde geposted amSonntag, März 13th, 2011zu15:54und ist abgelegt unterMedien, MeinungenSie können alle Antworten zu diesem Eintrag folgen durch den RSS 2.0feed. Sie können einen Kommentar hinterlasse , oder trackback von deiner eigenen Seite You can leave a response, or trackback from your own site.

Über den Autor:

Florian Meyer ist Online-Redakteur und Tupperware®-Berater in Köln, Netz-Junkie, Twitterer, Beobachter, Schreiber

8 Comments

  1. Das ist mir bei N24 schon am Freitag aufgefallen. Da wurden die gleiche STudiomoderation in Dauerschleife dan ganzan Abend lang gezeigt. Gegen 0.00 Uhr hatte ich dann genug davon und habe das Programm gewechselt.
    Bleibt die Frage, ob es uns deshalb so sehr auffällt, weil wir durch Twitter und Co daran gewöhnt sind, ständig neue Infos zu bekommen. Vielleicht stößt auch das Medium Fernsehen hier einfach an seine Grenzen.
    Vielleicht wäre ein Breaking-News youtube-Kanal eine Alternative?

  2. Martin

    Stimme Ihnen uneingeschränkt zu. Dieses Phänomen der Endlosschleife fällt mitunter auch bei den Morgennachrichten auf, die ich mittlerweile doch täglich verfolge. Länger als eine Stunde muss man in der Regel nicht dabei sein, außer man ist schwer von Begriff.

  3. Ich gucke regelmäßig n-tv und n24, aber Infos zu wichtigen Dingen hol’ ich mir gern aus dem Internet. Habe, wie du schon geschrieben hast, keine Lust auf Dauerschleifen und Wiederholungen..

  4. Matze

    Das Programm der Nachrichtensender ist nicht für Leute konzipiert, die 24 Stunden vor dem Fernseher sitzen. Alle “Neu-Einschalter” sollen auf den aktuellen Stand gebracht werden – darum ist es auch gerechtfertigt, wenn Beiträge mehrmals wiederholt werden. Diese Programmstruktur ist bei langen Sendungen doch Gang und Gäbe (Beispiel “Frühstücksfernsehen” – das guckt auch kein Mensch 5 Stunden am Stück).

    Das ist mir auch lieber, als bei Katrastrophen “Das Erste” oder das “ZDF” einzuschalten, wo ich mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Infos bekomme, sondern Wintersport oder den Film “An der Donau, wenn der Wein blüht”. Nachrichtensender haben nun mal in solchen Fällen Vollprogramm zu senden – auch wenn gerade nix Neues passiert. Ich will dann keine Dokus oder Schwarz-Bild sehen.

    Da ich n-tv nicht empfange, habe ich überwiegend N24 verfolgt. Ich finde die Berichterstattung in Ordnung.

  5. Das fällt nur auf, wenn man auf Neuigkeiten wartet. An normalen Tagen (also wenn es mal kein großes Ereignis gab) gibt’s dieses Phänomen auch bei öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendern wie hr-info oder mdr-info: Einmal pro Stunde die gleichen Beiträge – immer mit dem gleichen Wortlaut anmoderiert. Teilweise sogar schichtübergreifend von mehreren Moderatoren vorgetragen.

  6. Jan

    Ich will keinem zu nahe treten, aber seit wann sind denn N24 oder N-TV noch seriöse “Nachrichtensender”? Die habe ich ehrlich gesagt noch nie guckt, dann lieber das “Original” aka CNN oder neuerdings sogar ALJ. Und nicht vergessen sollte man natürlich, dass man bei einem echten 24h-Nachrichtensender nicht dauernd News erwarten kann. Das ist schlichtweg nicht möglich (oder würde in eine Nachrichtenflut ausarten, die man als Zuschauer nicht verarbeiten könnte). Das ist bei Radio doch genauso: Bei “allgemeinen Beitragsnews” hört man morgens das selbe wie nachmittags.. in der Regel fällt man dann wohl in eine andere Zuhörergruppe.

    Die ÖR (meine jetzt: ARD + ZDF) scheinen sich ein bisschen verbessert zu haben (nach der Kritik im Januar/Februar), in den letzten Tagen kommen immer wieder Specials und Sondersendungen (auch gestern wurde das Musikantenstadel “leider unbestimmt verschoben”). Wir brauchen auch nicht ununterbrochen “Pseudonews” auf dem Ersten, eingeschobene Nachrichten reichen da, und wenn es wirklich wichtig wird.. dann kommt es da auch. Wesentlich unangebrachter war schon eher das Samstagsprogramm von RTL2, die es erst im letzten Augenblick geändert haben…

    Interessant, aber von mir nie verwendet: ZDF sendet zwischendurch wahlweise als Internet-Livestream oder auf ihrem Infokanal einen anderen ausländischen Sender. Im Falle von Ägypten war das ein AlArabia(?), und jetzt eben immer wieder mal für ein paar Stunden NHK.

    Und wir sind doch die Generation Internet/Twitter: Da wissen wir die Dinge eh schon ‘ne Stunde vorher.

  7. Jakob

    Hi, n24 und n-tv habe ich schon lange den Rücken gekehrt (eigentlich seit 9-11). Gute deutsche Nachrichtensender mit kompetenter Berichterstattung und aktuellen Hintergrundinfos sind (gerade bei solchen Katastrophen) Phoenix und EinsExtra. Außerdem schalte ich auch immer öfter Al Jazeera English und BBC World ein.

  8. Jakob

    Nachtrag: Alle genannten Sender verfügen übrigens über Livestreams, so dass man nicht unbedingt einen Kabelanschluss braucht.

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