Wir haben das Recht zu schweigen
Das schlimmste Erdbeben in der Geschichte Japans erschüttert sprichwörtlich die Welt. Der Tsunami hat Häuser, Autos und Menschenleben verschlungen. Vor Ort herrscht das blanke Chaos.
In solch einer Situation muss man keine großen Worte machen. Unter Anderem, weil die Umstände einen wirklich sprachlos im wahrsten Sinne des Wortes machen. Wenn es hier Worte zu verlieren gibt, dann nur, um Fakten zu vermitteln. Ansonsten gilt: Einfach mal die Fresse halten. Das gilt meiner Meinung nach genauso für Politiker, die sich erwartungsgemäß in Bestürzungs-Meldungen in den Medien überschlagen (im Ernst: Erwartet hier irgendwer eine Meldung wie “Westerwelle: Erdbeben in Japan lässt mich kalt!”?), wie auch für den “kleinen Mann von der Straße.”
Interessanterweise ist auf Twitter wirklich nur vergleichsweise wenig zum Themenkomplex “Erdbeben in Japan” zu lesen – sogar die notorischen Spaßbolde, denen nie ein morbider Witz zu niveaulos ist, verstummen offenbar (oder solche Tweets haben es nur noch nicht in meine Timeline geschafft). Hin und wieder kommen neue Infos (und zwar nur Infos) zur aktuellen Entwicklung in die Timeline, aber ansonsten ist es weitestgehend still. Ein ganz schön angenehmer Zustand, wenn man bedenkt, wie teilweise nach dem Drama bei der Loveparade getwittert wurde. Wenn man mal überlegt, was bei Twitter los war, als der damalige Verteidigungsminister und seine Doktorarbeit in den Schlagzeilen waren…
Nachdem ich mich heute bei Twitter über die Politiker-Unsitte, in solchen Fällen einfach mal medienwirksam zu bedauern und bestürzung zu äußern aufgeregt habe, bekam ich prompt die Antwort, dass solch eine Äußerung von mir ja eine gewisse Doppemoral habe. Ich sage: Nein! In vielen Fällen kann ich auf Twitter spaßen und scherzen. Es gibt sogar Unfälle und dramatische Situationen auf der Welt, über die man durchaus Witze machen kann. Aber: Es gibt auch Situationen, in denen man besser die Finger von der Tastatur lassen sollte.
Deswegen gibt es von mir keine Tweets zum Erdbeben in Japan und ähnlichen Vorfällen. Für schnelle Infos sind andere zuständig, für Scherze ist die Situation viel zu ernst und einfach mein Bedauern in 140 Zeichen auszudrücken ist überflüssig wie sonstwas. Da nutze ich lieber mein Recht zu schweigen und bin still und leise entsetzt.
Dieser Eintrag wurde geposted amFreitag, März 11th, 2011zu13:59und ist abgelegt unterGedanken, Meinungen, ZweiPunktNullSie können alle Antworten zu diesem Eintrag folgen durch den RSS 2.0feed. Sie können einen Kommentar hinterlasse , oder trackback von deiner eigenen Seite Both comments and pings are currently closed.











Die einzige Meldung, die ich in solch einer Situation von “den” Politikern lesen/hören will: “Die Hilfstransporte sind unterwegs, die Suchmannschaften sind vor Ort.”. Sonst nichts.
140 Zeichen sind da ein bisschen zu wenig, daher meine Antwort hier:
Natürlich sollte man in solchen Situationen keine niveaulosen Kommentare abgeben und in dieser Hinsicht bekräftige ich deine Meinung. Was mich jedoch stört: Es werden immer die Politiker allgemein verurteilt, lasst sie doch ihr Beileid den Angehörigen aussprechen, lasst sie doch ihre Meinung zu diesem Thema kundtun, wenn es euch stört: hört nicht hin.
Ich mein mal ehrlich: Was erwartest du von einem Politiker wie Merkel oder Westerwelle in diesem Moment? Dass sie sich ruhig vor den TV setzen und stillschweigend zusehen? Dann wäre das gemecker doch auch wieder da.
Außerdem machen Berichte wie dieser hier es auch nicht besser, man könnte deinen Tweet (http://goo.gl/89Nvd) genauo mit einem “Person D regt sich über Person A, B und C auf” erweitern. Egal was ihr empfindet, wenn ihr denkt ihr müsst das schweigend tun, dann bitte, aber nicht auch noch in der Öffentlichkeit aufregen, wenn andere das nicht tun.
@oliv2r
Es ist schon extrem lächerlich sich darüber aufzuregen, dass andere darüber schreiben, aber selbst einen ganzen Blogeintrag darüber zu veröffentlichen.
“Ne ich sag dazu aus Anstand nichts, aber die Besucherzahlen nehm ich trotzdem mit”, so nach dem Motto.
Ist hier jedes Mal wieder erstaunlich.