Tausche Haargel gegen Selbsteinschätzung
Karl-Heinz-Theodor von und zu Doktor Guttenberg war mir ja schon immer suspekt. 2009 tauchte er vermeintlich auf dem Nichts auf, als Michael Glos irgendwie nicht mehr Wirtschaftsminister sein wollte. Da war er dann, der Mann mit den vielen Vornamen und mit dem vielen Gel im Haar. Eine Brille auf der Nase, die wie aus einem Dorf-Theater-Fundus wirkt, dazu hin uns wieder ein AC/DC-Shirt an – der Mann weiß sich zu verkaufen. Und jetzt will er zurückkommen.
Mit Pauken und Trompeten war Guttenberg, damals mittlerweile Verteidigungsminister, im März 2011 über die Plagiats-Affäre gestolpert. Wie ein störrischer Esel hat er gebetsmühlenartig wiederholt, dass er seine Doktoarbeit nicht zusammengeklaut hätte. Erst, als es keine Ausrede mehr gab und er von allen Seiten als Betrüger bezeichnet und überführt wurde, gab Guttenberg nach und warf die Brocken hin.
Fortan war er nicht mehr gesehen. Der Mann mit der schmierigen Frisur war einfach so durchgeflutscht, weg, verschwunden, auf Wiedersehen. Und eben dieses Wiedersehen droht uns nun: Ein wenig mehr als ein halbes Jahr nach seinem Abgang (wir hatten noch nicht mal Zeit, ihn zu vermissen), bastelt Guttenberg an seinem Comeback. Gerade mal ein paar Wochen war er in die USA ausgewandert, und schon geistert er wieder durch die deutschen Gazetten. Noch immer sei er enorm populär, steht derzeit auf nahezu jeder Litfasssäule im Internet und in zahlreichen Magazinen. Da frage ich mich doch wirklich: Bei wem? Bei mir nicht!
Eigentlich könnte dieser Kerl mir ja herzlich egal sein. Er ist gescheitert. Allerding nur vorerst, so suggeriert es zumindest der Titel seines neuen Buchs “Vorerst gescheitert“, das offenbar nur ein kleines Puzzleteil in seinem großen Comeback-Gemälde ist. Was kratzt mich, was der Mann macht, nachdem er achtkant aus der regierung geflogen ist – jeder andere würde nie wieder ein Bein auf den politischen Boden bekommen. Doch nicht so Freiherr zu Guttenberg.
Ganz klare Kiste: Karl-Theodor, der Betrüger, der keiner sein will, kommt zurück. Er hat seine Theater-Brille abgegeben (vermutlich einem Harry-Potter-Darsteller der Volksbühne Bayreuth), seine Haare schneiden lassen und nutzt nun weniger Gel. Wenn Frauen beim Friseur waren, sagt man immer, bereiten sie sich auf einen neuen Lebensabschnitt vor. Guttenberg tut das gleiche. Er will allen zeigen, dass er ein neuer Mann ist (dem zugegebenermaßen der neue Look weitaus besser steht, als der alte), dass er aus seinen Fehlern gelernt hat. Nur acht Monate, nachdem er in den Sack hauen musste, meldet er sich zurück. Demut? Fehlanzeige! Einsicht? Nur soviel, wie gerade nötig ist! Selbsteinschätzung? Reden wir lieber nicht drüber…
Eins muss man ihm lassen, dem Freiherr: Er gibt nicht auf, er ist ein Stehaufmännchen. Trotzdem ärgert es mich, dass dieser Meister der Selbst-PR offenbar all seine Ziele erreicht: Man redet über ihn, man sieht in ihm den “neuen Guttenberg”, man kauft sein Buch. Die Strategie des Ex-Doktors geht zu einhundert Prozent auf. Wenn das so weiter geht, haben wir ihn wirklich bald wieder in der Bundesregierung sitzen…
(Foto: Philipp Warm / pixelio.de)
Dieser Eintrag wurde geposted amDienstag, November 29th, 2011zu15:34und ist abgelegt unterGedankenSie können alle Antworten zu diesem Eintrag folgen durch den RSS 2.0feed. Sie können einen Kommentar hinterlasse , oder trackback von deiner eigenen Seite You can leave a response, or trackback from your own site.











Das ist das, was mich abstößt: Zuerst unter den Stein zurückkrabbeln, aus dem er damals (“…wie aus dem Nichts”) hervorkroch, bis mal Gras über die Sache gewachsen ist. Und nun haben wir ihn bald schon wieder an der Backe kleben. Wie Kaugummi am Schuh…
Nach seinen unverschämten Lügen, seinem Betrug an dem Volk, welches ihn ja schlussendlich bezahlt… Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller hätten bis in die Steinzeit keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen.