Die Kugeln fliegen wieder langsam, das Blut spritzt wieder literweise: Max Payne ist zurück! Nach neun Jahren ist der Held meine Videospiele-Jugend wieder da und greift in Max Payne 3 einmal mehr Heerscharen von Gegnern an. Es ist ein blutiges Comeback – und streckenweise ein recht monotones…
Was habe ich dieses Spiel geliebt: “Max Payne” und auch der Nachfolger “The Fall of Max Payne” sind fraglos DIE Spiele meiner (späten) Jugend gewesen. Stylishes Geballer im Matrix-Style, meistens nicht jugendfrei, dafür umso cooler. Max ist ein düsterer Charakter mit einer geilen Stimme und noch geileren Sprüchen.
Das meiste davon hat sich nicht geändert: Noch immer ballert Max Payne scharf und wild um sich. Im neuesten Teil der Reihe verspritzt er dabei allerdings mehr Blut (viiiiiel mehr Blut) und bewegt sich in einer anderen Umgebung: São Paulo in Brasilien ist das neue Revier von Max Payne, der sich in der Heimat New Jersey mal wieder ein paar neue Feinde gemacht hat und dort nicht bleiben kann. Als Personenschützer verdient Max seine Brötchen und seinen Whiskey, doch eines Tages wird die Braut des Chefs entführt. Um die versnobbte Dame ist es zwar eigentlich nicht schade, aber Max ist nunmal ein Ehrenmann und nimmt die Verfolgung auf. Dabei hinterlässt er eine laaaaaange Spur aus Leichen und wird in eine Story voller Intrigen und Gemeinheiten verstrickt. Wenn sich Max später die Haare abrasiert, erinnert er unweigerlich immer mehr an Bruce Willis als John McClayne in “Stirb Langsam 4.0″ – aber die Feinde von Max Payne sterben nicht langsam, sondern sehr, sehr langsam. In Zeitlupe. Immer und immer wieder.

Brutal: Stellenweise ist die Gewalt-Darstellung ein wenig zu übertrieben
Eins hat sich nicht geändert: Mit Max auf Böse-Buben-Jagd zu gehen macht eine Menge Spaß und sieht einfach nur cool aus. Seine Hechtsprünge, die langsam fliegenden Kugeln, die zu Boden geschleuderten Gegner – alles ist perfekt durchgestylt und macht dieses Spiel zu einem Actionfilm zum Selberzocken. Allerdings gibt es auch ein paar Dinge, die besser laufen könnten. Wie schon bei Uncharted 3 fehlen auch in diesem Spiel zu Gunsten der bombastischen Action-Momente sämtliche spielerische Freiheiten. Einen alternativen Weg gibt es nie, die Levels sind schlauchig, die Route unseres Helden vorgegeben. Total albern wirkt das Ganze, wenn wir durch eine Tür gehen und diese sich danach wie von Geisterhand verrammelt und wir nicht mal mehr auf dem Weg zurück können, den wir gegangen sind.
Wann immer sich ein vermeintlich alternativer Weg auftut (durch eine kleine Gasse oder eine offene Tür, die auf dem Weg liegt), können wir sicher sein, dass es dort zwar nicht weitergeht, wir da aber irgendwo Schmerzmittel-Dosen finden – oder goldene Waffenteile, die wir als Goodies sammeln können (kurzer Einschub: Wer alle drei Teile einer goldenen Waffe gefunden hat, nutzt diese dann im Spiel – was leider einfach nur total albern aussieht…). Die Schmerzmittel sind eines der guten alten Relikte aus früheren Shooter-Zeiten: “Max Payne 3″ geht den dusseligen Trend nicht mit, dass sich die Gesundheit unseres Helden wie durch Zauberei regeneriert, wenn er einfach nur lange genug in der Ecke sitzt und wartet. Max muss weiterhin kleine Pillendöschen einsammeln und in strategisch günstigen Momenten seine Medizin schlucken.
Ansonsten wird eine Menge geballert, geschossen und getötet. Max hat eine handvoll Waffen dabei (angenehm: Er hat keine “magische Tasche” mehr, in der ein ganzes Arsenal verschwindet, sondern kann immer nur ein dickes Schießeisen zur Zeit tragen) und bläst damit reihenweise Gegnern das Lebenslicht aus. Das läuft dann so ziemlich immer aufs Gleiche raus: Max stürmt in einen Raum, sucht Deckung (das hat er in der neunjährigen Pause gelernt) und eröffnet das Feuer auf seine stetig wachsende Gegnerschar. Dabei wird stets das letzte Opfer einer Gegnerwelle besonders “ansehnlich” gerichtet: Die Bullet-Cam verfolgt unseren Schuss in Nahausfnahme aus dem Lauf der Waffe bis in den Körper des Bösewichts – das sieht stylish aus, macht aber auch einen guten Teil der gezeigten Brutalität aus.
Style und Ästethik sind eben zentrale Elemente in “Max Payne 3″ – nicht nur deswegen nimmt die Zeitlupenfunktion Bullet-Time eine zentrale Rolle im Spiel ein. Max kann wie früher die Zeit (nahezu) anhalten und seine Gegner umso gezielter aufs Korn nehmen, wobei ihm die gegnerischen Kugeln nur so um die Ohren fliegen. Auch damals wie heute einfach nur cool: Der so genannte Shootdodge, bei dem Max mit einem Hechtspung auf seine Gegner zu – oder von ihnen weh – macht und “fliegend” das Blei in die Gegner pumpt, macht weiterhin besonders Laune.
Und so hechtet, ballert und kalauert man sich langsam aber sicher durch die 14 Level, die einen rund zwölf Stunden lang beschäftigen. Besonders genial: Zwischen den einzelnen Ballereien bleiben einem Ladezeiten komplett erspart, denn die Wartezeiten werden mit bombastischen Zwischensequenzen sehr gut kaschiert. Rasant geschnitten und stylish aufbereitet runden diese Sequenzen das Kino-Feeling ab – nerven allerdings auf Dauer irgendwann mal, weil’s sich dann doch immer wieder wiederholt.
Wiederholungen machen ohnehin einen guten Teil von “Max Payne 3″ aus und sind auch der Grund, warum man diesen Actionkracher in homöopatischen Dosen genießen sollte. Denn immer wieder einen Raum von Gegnern säubern, um dann in den nächsten weiterzuziehen, wieder alle umzupusten, dann durch die Tür und noch mehr umzulegen und so weiter, und so fort, nervt irgendwann auch. Klar gibt es hin und wieder auch Elemente, die das bewährte Muster aufbrechen, doch die sind spärlich eingesetzt – etwa, wenn man aus einem Helikopter oder fahrenden Boot heraus Gegner wegsnipern muss.
Unterm Strich ist “Max Payne 3″ ein Pfund von einem Actionspiel: Es gibt eine Menge kinoreife Szenen zu bestaunen und einige coole Sprüche zu hören. Wenn man nicht allzu lange davor sitzt, fällt die Abwechslungslosigkeit auch weniger auf und man kann sich eigentlich lediglich über die schlauchigen Level ärgern, durch die man gezogen wird wie ein Hund an der Leine. Zu sehen gibt es eine Menge, zu entdecken gibt es leider nicht ganz so viel, wie möglich gewesen wäre, aber auch der dritte Teil der Payne-Reihe hat seine irren, skurrilen und verschrobenen Momente. Wer Max Payne damals liebte, wird sicher auch heute seinen Spaß mit ihm haben – auch wenn das düstere New Jersey ein bisschen fehlt und nur selten eine Rolle spielt…
[information_box title="Pro und Contra" ][one_half] Pro:
Rund zwölf Stunden Story
Kinoreife Präsentation
Bullet-Time (!!!)
[/one_half][one_half_last] Contra:
Nahezu keine spielerische Freiheit
Viele Wiederholungen
Streckenweise unnötig brutal[/one_half_last][/information_box]
(Fotos: Rockstar Games)










Das Spiel schlechthin zum Thema Zeitlupeneffekte aka Bullet Time. Schöne Animationen und toll, dass das Spiel nicht zu sehr verhunzt wurde wie andere neue Spielefortsetzungen.