Manchmal packste dir echt nur noch an den Kopp: Da muss ich gestern hören, dass der Rechtsausschuss im Bundestag (oder, einfacher: unsere Politiker) abgelehnt haben, dass die gleichgeschlechtliche Ehe künftig wie die herkömmliche (ich vermeide bewusst das Wort normale), verschiedengeschlechtliche Ehe behandelt wird. Wer hat’s entschieden? Die CDU (kein Wunder) und ausgerechnet die FDP (ja, die Jungs, die mit Gay-Guido einen Außenminister stellen, der selber in einer gleichgeschlechtlichen Ehe lebt).

Ausgerechnet am gleichen Tag spricht sich jenseits des großen Teichs der US-Präsident Obama für die gleichgestellte Homo-Ehe in seinem Land aus – wieder mal ein Zeichen dafür, wie viel weiter Amerika manchmal ist. Und auch wenn Obama im Moment ziemlichen Gegenwind für seine Äußerungen bekommt (in Amerika leben eben auch viele verbohrte Konservative), hat er meiner Meinung nach genau das richtige gemacht.

In Deutschland darf ich als Mann einen Mann heiraten (und habe das auch getan). Ich darf es nur nicht so nennen. Denn nach deutschem Sprachgebrauch sind wir “verpartnert”. Das klingt sehr romantisch, oder?!

Ich weiß ja nicht, wie ihr das seht, aber ich finde, eine Homo-Ehe, die eben keine ist, ist noch diskriminierender als ein kompletten Hochzeits-Verbot. Seit über zehn Jahren dürfen Schwule und Lesben hier nun “heiraten” – und bis heute hat es keiner geschafft, die Ehe endlich auf eine gleiche Stufe zu stellen wie die der Hetero-Paare. Da wäre es doch eigentlich ehrlicher, das ganze einfach gar nicht zu erlauben. Ich finde, diese Mischform (“Du darfst, aber nur ein bisschen!”) ist eine ungeheure Diskriminierung. Und das sage ich nicht nur, weil ich monatlich hunderte Euro weniger Steuern zahlen müsste, wenn mein Mann nur keinen Pimmel hätte.

Zugegeben: Wir jammern hier in Deutschland auf hohem Niveau. In anderen Ländern werden Schwule und Lesben immer noch gesellschaftlich geächtet, teilweise sogar wegen ihrer Sexualität umgebracht. Aber sollten wir in Deutschland nicht mit gutem Beispiel voran gehen? Sollten wir nicht, wenn wir uns als ein modernes Land sehen, auch mit der Zeit gehen? Gleichgeschlechtliche Liebe ist “genauso normal wie Kaugummi kauen”, um mal Die Ärzte zu zitieren.

In rund zwei Wochen haben mein Mann und ich ersten Hochzeitstag. Ich bin mal gespannt, wie viele noch folgen müssen, bis unsere Ehe endlich gleich viel wert ist, wie die unserer Nachbarn…

(Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de)

1 Kommentar

  1. Dominic sagt:

    Das Ehegatten-Splitting ist ebenfalls so überholt wie die Exklusivität der Hetero-Ehe, denn als alleinige Form der Kindererziehung haben ihr gesellschaftlich schon längt die Alleinerziehenden und die (wenigen) Regenbogenfamilien Paroli geboten. Abschaffen und in ein Erziehungsgeld umwandeln wäre mE deutlich näher an den Realitäten.
    Und ganz generell, wenn Kinder ins Spiel kommen (Stichwort Adoption) kommen ganz andere Diskriminierungen und Facepalm-Regelungen auf den Tisch.
    Aber mit einer “wertkonservativem” CDU und einer FDP, die das Kämpfen verlernt hat, ist hier kein Blumentopf zu gewinnen, egal wie sehr sich die homosexuellen Liberalen demnächst wieder auf den CSDs tummeln werden.

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